Schweizer Medien bauen Stellen ab

3. April 2003, 10:55
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Berufschance Öffentlichkeitsarbeit

Mehrere Schweizer Medienunternehmen kündigten in den vergangenen Monaten den Abbau von Stellen und Entlassungen an. Der Grund: schwindende Werbeeinnahmen und schlechte wirtschaftliche Ergebnisse. Von den 8.000 eingetragenen Journalisten der Schweiz sind 600 arbeitslos, schätzt der Zentralsekretär des Schweizer Journalisten-Verbandes (SVJ), Mathieu Fleury. Trotz Stellenabbau nimmt das Interesse am Journalismus aber weiter zu.

Trotzdem Perspektiven

Nicht erstaunt über diese Entwicklung ist Serge Gnos, Zentralsekretär der Schweizer Mediengewerkschaft Comedia: "Nach dem Stellenausbau während des Booms bis ins Jahr 2000, stehen die Leute nach dem konjunkturellen Einbruch auf der Straße." Gnos sieht trotzdem Perspektiven für Journalisten: "Für Leute mit medienwissenschaftlichem Hintergrund gibt es Plätze in Kommunikationsberufen."

Ein Drittel der Absolventen von Medienwissenschaften geht in den Journalismus

Laut Roger Blum, Professor am Institut für Medienwissenschaft der Universität Bern, geht etwa ein Drittel der Absolventen von Medienwissenschaften in den Journalismus. Die anderen setzen ihre Kommunikationskompetenz in der Öffentlichkeitsarbeit und anderen Berufen ein. Blum sieht die Diskrepanz zwischen Stellenabbau und auf den Markt drängende Journalisten nicht so dramatisch. Bis 2002 hätten sich Schließungen und Neuprojekte im Journalismus die Waage gehalten, sagt Blum. "Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung werden die Medienunternehmen ihre Projekte realisieren."

Alternativen

Louis Bosshart, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Freiburg, erklärt: "Die Absolventen von Medienwissenschaften haben Alternativen und können als Lehrer, in der Weiterbildung oder als Consultant arbeiten." Die Absolventen passten sich eher dem Arbeitsmarkt an, als sich beim Arbeitsamt zu melden.

Online- und Fernsehjournalismus

"Im Online- und Fernsehjournalismus ist der Markt eng", betont der Studienleiter Heiner Käppeli des Medienausbildungszentrum (MAZ) in Luzern. Auch wenn der laufende Stellenabbau ein vorübergehendes Problem sei, sähe die nähere Zukunft nicht rosig aus. Trotzdem kämen wirklich gute Journalisten wieder in ihrem Metier unter, meint Käppeli. Die anderen müssten aber womöglich in die Unternehmenskommunikation wechseln. (APA/sda)

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