Hilfe für in Not geratene Hochschullehrer

3. April 2003, 10:46
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Grazer Verein "Sozialhilfe Österreichischer Uni- und Hochschullehrer" agiert bundesweit

Graz - Manchmal endet eine universitäre Karriere schneller als man denkt - und bringt einen Berg von Problemen auch finanzieller Art mit sich: Ein Verkehrsunfall mit Folgeerkrankungen und -kosten, eine schwerwiegende Infektion während eines Forschungsaufenthaltes, aber auch Streitigkeiten mit dem Dienstgeber können dazu führen, dass Uni-Lehrer oder deren Angehörige plötzlich vor dem Nichts stehen. Die in Graz gegründete und österreichweit aktive "Sozialhilfe Österreichischer Uni- und Hochschullehrer" kann in solchen Fällen helfen.

"Anlass der Gründung des Vereines war ein Zwischenfall in London im Jahr 1977", erzählt der Grazer Präsident Hans Georg Ruppe, zugleich Vorstand des Institutes für Finanzrecht. Damals kam ein Assistent der Juridischen Fakultät am ersten Tag seines Forschungsaufenthaltes bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Keine Versicherung wollte zahlen, die Witwe und die Kinder standen mit leeren Händen da.

Aus der spontanen Solidaritätsaktion der Fakultät entwickelte sich der Sozialhilfeverein für unverschuldet in Not geratene Universitätslehrer und deren Angehörige. Finanzielle Basis war die Provisionszahlungen einer österreichische Versicherung, die diese für den Abschluss einer universitären Gruppenversicherung leistete. Heute werden die Mittel für die Förderungen in erster Linie durch Unterstützungsbeiträge der Wiener Städtischen sowie durch Kapitalerträge aufgebracht. "Die Mitgliedschaft im Verein ist nicht Voraussetzung für die Unterstützung", betont Ruppe.

In den letzten 25 Jahren hat der Verein dutzenden Familien mit insgesamt rund 200.000 Euro geholfen. Neben direkten finanziellen Zuwendungen werden auch zinslose Darlehen vergeben. Die Unterstützung von Angehörigen nach dem Tod von Universitätslehrern (für die Ausbildung der Kinder), die Hilfe bei Folgekosten von Krankheiten und Unfällen stehen an vorderster Stelle der jährlich "rund fünf bis sechs" eingehenden Anträge. Aber auch bei außergewöhnlichen Belastungen durch Auseinandersetzungen mit dem Dienstgeber wurde der Verein schon für seine Schützlinge aktiv: So wurden einmal bereits die Anwaltskosten in einem Verleumdungsfall übernommen.

In jüngster Zeit wurde die Unterstützungstätigkeit auch auf den südosteuropäischen Raum ausgedehnt, erzählt Ruppe. "Dort ist das soziale Netz noch weniger eng geknüpft", so Ruppe. So hat man beispielsweise für Professoren aus Sarajewo bereits die Kosten eines neuen Herzschrittmachers und für eine Unterschenkelprothese übernommen.(APA)

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