Polizei im Einsatz gegen SARS-Verdächtige

3. April 2003, 11:02
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Mögliche Infektionsträger werden in Kanada zur Quarantäne gezwungen - China erlaubt WHO Ursachensuche an wahrscheinlichem Krankheitsherd

Toronto - In Kanada ist erstmals die Polizei zur Isolierung von möglicherweise mit dem SARS-Erreger infizierten Personen eingesetzt worden. Zwei Einwohner der am schwersten von der mysteriösen Lungenkrankheit betroffenen Stadt Toronto wurden am Mittwoch (Ortszeit) von Polizeibeamten zur Einhaltung der Quarantäne-Vorschriften gezwungen, berichtete die Zeitung "Globe and Mail" in ihrer Online-Ausgabe.

Eine der beiden Personen, die zuvor von Medizinern als "Verdachtsfälle" eingestuft worden waren, wurde in ihre Wohnung gebracht und dort unter Strafandrohung aufgefordert, die nächsten zehn Tage nicht auf die Straße zu gehen. Eine weitere sei in eine Isolierstation eingewiesen worden.

Mehr als 2500 Menschen im Großraum Toronto, die möglicherweise mit dem SARS-Erreger in Berührung kamen, haben sich nach Behördenangaben in den letzten Tagen freiwillig in Quarantäne begeben. Sechs Kanadier sind an SARS gestorben.

WHO-Team nach Südchina gereist

Ein Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist am Donnerstag von Peking nach Südchina gereist, um nach dem Ursprung der asiatischen Lungenkrankheit zu forschen. In der Provinz Guangdong wollen die vier Wissenschaftler sich auch über die Behandlung der Patienten und Vorbeugungsmaßnahmen informieren. Nach einer wochenlang völlig restriktiven chinesischen Informationspolitik, die das wahre Ausmaß der Epidemie in China verhüllte, war erstmals ein offenerer Umgang mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) erkennbar.

Vorbeugung hat Vorrang

Die staatlichen Medien berichteten über eine Kabinettssitzung, auf der Ministerpräsident Wen Jiabao forderte, dass die Vorbeugung gegen eine weitere Verbreitung absoluten Vorrang haben müsse. Der WHO sollten aktuelle Zahlen übergeben werden. Das Kabinett kam nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zu dem Schluss, dass die Epidemie "unter Kontrolle" gebracht sei.

Reisewarnung

Am Vortag hatte die WHO eine Reisewarnung für Südchina und Hongkong erlassen. In fünf chinesischen Provinzen und in Peking wurden jetzt laut WHO 1190 Krankheitsfälle und 46 Tote offiziell bestätigt. In Schanghai wurde nach Diplomatenangaben ein SARS-Fall zugegeben. Das weltweite Zentrum ist aber Guangdong mit inzwischen 1153 Kranken und 40 Toten, wobei die Zahlen nach offiziellen Angaben rückläufig sein sollen. (APA)

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