Gerücht um BAWAG/ BA-CA-Deal

3. April 2003, 09:28
posten

Spekulation um Austro-Aktientausch bei HVB und BayernLB - Angeblich schon bei EU-Kartellbehörde vorgefühlt

Wien - Kaum hat die bayerische HypoVereinsbank (HVB) vor Wochenfrist ihre spektakulären Pläne gelüftet, ihre österreichische Tochter Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) über eine Kapitalerhöhung zu 25 Prozent wieder an die Wiener Börse zu bringen, ranken sich schon Gerüchte für die Zeit danach: Die Tageszeitung "Die Presse" spekuliert über eine mögliche Annäherung zwischen der BA-CA und der österreichischen BAWAG durch einen Abtausch von Bankbeteiligungen ihrer jeweiligen bayerischen Aktionärinnen. Was von der BA-CA postwendend zurückgewiesen wird: "Stimmt nicht."

An der Gerüchtebörse wird laut "Presse" (Donnerstagausgabe) folgende Variante gehandelt: Nachdem der BA-CA-Börsegang über die Bühne sei, könnte es zu einem Aktientausch kommen. Demnach könnte, so die Zeitung, die an der BAWAG beteiligte Bayerische Landesbank (BayernLB) die 25 Prozent an der BA-CA übernehmen, im Gegenzug würde ihr BAWAG-Minderheitsanteil an die HVB gehen. Der Deal würde für beide Partner Sinn machen, schreibt die Zeitung: Die Bayern-LB bekäme einen Anteil an der BA-CA, die - anders als BAWAG oder Bayern-LB - in der Wachstumsregion Osteuropa stark verankert sei. Und anders als der BAWAG-Anteil wären die BA-CA-Aktien an der Börse auch wieder verkaufbar, wenn die Bayern-LB Geld brauche.

"Fantasievoll, aber falsch"

Die Zeitung selber räumt in ihrem Bericht ein, dass diese Spekulation nach überschießender Banker-Fantasie klinge. Allerdings sei bei den Brüsseler Kartellbehörden "angeblich bereits vorgefühlt" worden, wie man einen solchen Bankentausch beurteilen würde.

Bank Austria-Creditanstalt-Sprecher Martin Hehemann sagte dazu , solche Spekulationen seien, wie auch die Presse ja selber schreibe, "recht fantasievoll, aber sie sind falsch. Es stimmt nicht. Es gibt keine derartigen Pläne."

Bayern wollen Bawag-Mehrheit

In Österreich sind die zwei Münchner Großbanken HypoVereinsbank und Bayerische Landesbank stark verankert. Während die BA-CA zu fast 100 Prozent der HVB gehört, hält an der BAWAG die Bayerische Landesbank rund 46 Prozent, 54 Prozent gehören dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB). Die Bayern hätten gerne die Mehrheit an der BAWAG, weil ein Minderheitsanteil strategisch wenig Sinn mache. Der ÖGB legt sich aber quer. Angeblich wollte die Bayern-LB das BAWAG-Paket bereits verkaufen, schreibt die Zeitung. Für eine Minderheitsbeteiligung sei aber derzeit kaum ein guter Preis zu erzielen.

"Synergien"

Wie es in dem Bericht weiter heißt, hätte nach dieser jüngsten Spekulation eines Banken-Beteiligungs-Abtausches die HVB weiterhin 75 Prozent an der BA-CA und bekäme mit dem BAWAG-Aktienpaket auf dem österreichischen Markt eine noch stärkere Position als jetzt. Natürlich - so schreibt die Zeitung - würde man BA-CA einerseits, BAWAG/P.S.K. andererseits weiter getrennt führen. "Synergien" wären aber sicher zu holen. Die BA-CA würde damit noch besser verdienen, was der HVB und ihrer Aktie zugute käme, wird aus der Gerüchteküche zitiert.

Beobachter zweifeln gegenüber der APA allerdings daran, dass eine Annäherung von BA-CA und BAWAG/P.S.K. denkbar wäre, ohne die Kartellwächter in Brüssel und Wien "auf die Palme" zu bringen, da beide Banken in Österreich schon jetzt hohe Marktanteile hätten. Und außerdem, so fragt man sich, warum sollten die Münchner dazu für die BA-CA einen solch teuren Umweg über einen vorherigen Börsegang machen.(APA)

Share if you care.