Rechte Identifikationsfigur: Barbara Rosenkranz wird Landesparteichefin

2. April 2003, 22:44
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Eine Mutterfigur für die FPÖ in Niederösterreich

Dass die Familie Rosenkranz gemeinsam im Restaurant essen geht, geht sich auch mit einem Politikergehalt nur selten aus. Immerhin hat Barbara Rosenkranz zehn Kinder - die ältesten sind schon erwachsen, der Jüngste ist noch keine zwei Jahre alt. Eine rechte Bilderbuchfamilie ist das; von Ewald Stadler mit dem Hinweis gelobt, "dass wir unseren Volkserhalt durch gesunde, starke und kinderreiche Familien selbst organisieren".

Der Familienvater, Horst Jakob Rosenkranz, wirkt eher im Stillen. Er versorgt die Kinder daheim - und die rechte Szene mit Fakten, das ist eine vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands als rechtsextrem eingestufte Publikation. Das Feld der aktiven Politik, in der er mitmischte, als die NDP noch legal war, überlässt er der Ehefrau. Für diese ist die politische Ausrichtung ihres Mannes kein Problem, sie selber spricht immer zurückhaltend und jeden Anschein des Extremismus vermeidend.

Die aus protestantisch-nationalem Milieu stammende Salzburgerin konnte als Mädchen die Geborgenheit einer Familie nicht so genießen wie ihre eigenen Kinder: Sie wuchs in einem Wiener Internat auf und hat später Geschichte und Philosophie studiert. In der Wachstumsphase der FPÖ unter Jörg Haider kam sie in die Landespolitik und gehörte ab 1993 dem Landtag an. In jener Gesetzgebungsperiode entwickelte sich - lange Zeit unbemerkt - die Affäre Rosenstingl, die die Landes-FPÖ an den Rand des Konkurses brachte.

In der vom finanziellen und politischen Desaster bedrohten Landesgruppe erwies sich Barbara Rosenkranz als geschickte Organisatorin - auch wenn sie beim Parteitag im Frühjahr 2000 mit dem Versuch scheiterte, einen Gegenkandidaten zu Ernest Windholz aufzubauen. In der Folge arrangierten sich die Beteiligten, Rosenkranz wurde Klubobfrau im Landtag und kam im Vorjahr auf die Nationalratsliste. Dies nicht zuletzt, weil sie den "Knittelfeldern" zugerechnet wird - obwohl sie es (im Gegensatz etwa zum nun zurückgetretenen Franz Marchat) vermieden hat, sich offen gegen den Kurs der freiheitlichen Regierungsmannschaft zu stellen.

Der Wechsel in die Bundespolitik hat für sie den Vorteil, dass sie nicht unmittelbar für die Wahlniederlage am letzten Sonntag und auch nicht für das zerstrittene Bild der Landespartei verantwortlich gemacht werden kann - ihre Verankerung im Nationalrat hat zudem den Vorteil, dass sie mit niemandem um einen der zwei verbliebenen Landtagssitze rittern muss.

So kann Rosenkranz, die vom Landtagsabgeordneten Thomas Ram als "Mutterfigur" der niederösterreichischen Freiheitlichen propagiert wird, in Ruhe warten, bis Windholz einen Parteitag ausrichtet, auf dem sie zu seiner Nachfolgerin gewählt wird. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 3.4.2003)

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