Proteste bei Prozess gegen Fortuyn-Mörder

2. April 2003, 20:20
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Verteidigung forderte "maximal 15 Jahre" - Anwälte des Angeklagten haben schwere Geschütze aufgefahren

Amsterdam - Im Prozess gegen den geständigen Mörder des niederländischen populistischen Politikers Pim Fortuyn haben die beiden Anwälte des Angeklagten, Stijn Franken und Britta Böhler, schwere Geschütze aufgefahren. Ihr Mandant sei von niederländischen Spitzenpolitikern und der Presse vorverurteilt worden.

Diese hätten ihn mit Al-Kaida in Verbindung gebracht, als Auftragskiller bezeichnet und die Todesstrafe für ihn gefordert, die in den Niederlanden schon lange abgeschafft ist. Dies stehe im Widerspruch zu einschlägigen Urteilen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und müsse mindestens zu einer Strafminderung führen.

Sonderbehandlung

Volkert van der Graaf sei nicht vorbestraft, habe einen "einfachen Mord" begangen, sei aber trotzdem in der Haft und bei seiner psychiatrischen Untersuchung einer ungerechtfertigten Sonderbehandlung unterworfen worden. Als Franken die Strafforderung der Verteidigung angab und erklärte, in ähnlich gelagerten Fällen würden von niederländischen Gerichten 12 bis 15 Jahre Freiheitsstrafe, aber keinesfalls lebenslänglich verhängt, kam es zu lauten Protesten im Gerichtssaal.

Forderung nach einer lebenslangen Freiheitsstrafe

Der Ankläger Koos Plooy hatte seine Forderung nach einer lebenslangen Freiheitsstrafe damit begründet, in Volkert van der Graafs Leben habe Gewalt eine wichtige Rolle gespielt, er habe keine Reue gezeigt und könne aufgrund seines Motives jederzeit rückfällig werden.

Der Anwalt der Familie Fortuyns bedauerte, der Prozess habe bisher keine Antwort auf die Frage gegeben, "wie es so weit kommen konnte". Das Urteil wird für den 15. April erwartet.(Klaus Bachmann aus Amsterdam, DER STANDARD Printausgabe 3.4.2003)

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