Konzerne meiden Asien wegen Lungenkrankheit

2. April 2003, 20:01
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WKÖ-Chef Christoph Leitl reist trotzdem nach China - Einige Betriebe, die mitfahren wollten, haben aus Angst vor Sars abgesagt

Peking/Wien - Adidas, Siemens und VW haben mit Reisebeschränkungen und Warnhinweisen auf die in Asien grassierende Lungenkrankheit Sars (severe acute respiratory syndrome) reagiert. In Österreich hat das Außenministerium noch keine Warnung ausgesprochen. "Wir raten vor Reisen nach Asien derzeit zwar ab, geben aber keine Reisewarnung aus", heißt es im Außenministerium.

Der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, zählt zu den Unerschrockenen: Er wird seine für kommende Woche angesetzte Wirtschaftsmission nach Schanghai, Seoul und Tokio wahrnehmen, bestätigte ein Sprecher der WKÖ. Einige Betriebe, die mit Leitl ursprünglich nach Asien mitfahren wollten, haben nun - aus Angst vor Sars - im Vorfeld die Reise einfach abgesagt. Etwa die Bank Austria, die Österreichische Kontrollbank, Kapsch TrafficCom und Lenzing.

"Wir beobachten die Situation in Asien"

"Wir beobachten die Situation in Asien", bestätigt Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft in der WKÖ. Die Geschäftsreisenden sind verunsichert. Beim Leiterplattenhersteller AT&S, der in Schanghai mit einer Niederlassung vertreten ist, ist man vorsichtig geworden: "Wir nehmen das Thema Sars sehr ernst", bestätigt AT&S-Sprecher Reinhold Oblak. "Mitarbeiter, die nach Asien fahren, werden vorher und nachher medizinisch untersucht und laufend über den letzten Stand informiert."

Wachstum revidiert

Am Dienstag verschob virusbedingt das World Economic Forum seinen jährlichen China-Gipfel vom 14. April tief in den Herbst. Bereits vom Golfkrieg gebeutelte Wachstumsprognosen werden weiter nach unten korrigiert. Mitarbeiter von Morgan Stanley befürchten nach zwei Monate Epidemie Massenbankrotte bei den Restaurants in Hongkong und Tiefststände bei den Immobilienpreisen. In China könnten die Direktinvestitionen sinken, in Singapur der Einzelhandel zum Stillstand kommen. (Judith Grohmann, Johnny Erling, DER STANDARD Printausgabe 3.4.2003)

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