Ausstellung: Der Geruch des Todes in Schloss Hartheim

2. April 2003, 19:15
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Das Renaissanceschloss 20 Kilometer westlich von Linz war zwischen 1940 und 1944 eine von sechs Tötungsanstalten

Linz - "Der fettige Ruß hat sich auch durch die geschlossenen Fenster in den Wohnräumen ausgebreitet, das ganze Gemüse war voll davon - fast immer hat es nach verbranntem Fleisch gerochen", berichtet Franz Schuhmann (80), Zeitzeuge und Nachbar des Schlosses Hartheim.

Das Renaissanceschloss 20 Kilometer westlich von Linz war zwischen 1940 und 1944 eine von sechs Tötungsanstalten des nationalsozialistischen Euthanasieprogrammes. 30.000 Menschen mit Behinderung wurden in Hartheim getötet.

Ausstellung "Wert des Lebens"

Die Ausstellung "Wert des Lebens" erinnert ab 8. Mai unter anderem an diese Verbrechen. Darüber hinaus wird ein Bogen von der Industrialisierung bis zur aktuellen Gen-und Sterbehilfediskussion gespannt. Denn während sich die Medizin in Europa nach 1945 erst langsam vom Schock der Euthanasieprogramme erholte, war in den USA "business as usual" angesagt. Die eugenischen Forschungsprogramme liefen mit dem Ziel weiter, die "Minderwertigkeit" der farbigen Bevölkerung zu belegen.

Die Ausstellung beleuchtet aber auch die aktuelle Lebenssituation von Menschen mit Behinderung. Durch die pränatale Diagnostik wird die Entscheidung über die Geburt eines behinderten Babys den Eltern übertragen.

"Engpässe gibt es zurzeit vor allem bei öffentlich geförderten Wohnplätzen für Menschen mit Behinderung", sagt Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich. Nachholbedarf gäbe es auch bei den Initiativen für "Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen". "Wir sind jetzt im vierten Monat des EU-Jahres der Menschen mit Behinderungen und durch die Lähmung der Politik - Stichwort Regierungsbildung - ist in diesen Feldern bisher wenig weitergegangen", kritisiert Chalupka. (sf, DER STANDARD Printausgabe 3.4.2003)

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Ausstellung "Wert des Lebens", Schloss Hartheim 8. Mai-2. Nov. 2003, tägl. 9.00 bis 18.00 Uhr

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