Fliegengewicht als Maßstab

2. April 2003, 18:48
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Was Taufliegen verfetten lässt, wirkt ähnlich auch beim Menschen

Göttingen - An "dicken" Frucht- bzw. Taufliegen können möglicherweise künftig neue Therapien gegen Fettleibigkeit beim Menschen entwickelt werden. Diesen Schluss lassen Untersuchungen von Wissenschaftern des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen zu.

Es gebe erste Hinweise, dass grundlegende Mechanismen der Regulierung des Fettgleichgewichts bei Taufliegen und beim Menschen ähnlich seien, teilte das Institut am Mittwoch mit. Wenn sich dies bestätige, könnten an Fliegen neue Anti-Fett-Therapien entwickelt werden.

Vergleichswesen Drosophila

Fruchtfliegen (Drosophila) wurden bereits bisher häufig für genetische Experimente benutzt. Ihr - seit dem Jahr 2000 entschlüsseltes - Genmaterial erlaubt Rückschlüsse auf das menschliche Erbgut.

Bei der Taufliege Drosophila werde Fett genauso wie bei Säugetieren in Form von Fett-Tröpfchen in den Zellen eingelagert, berichtete der für die Göttinger Studie verantwortliche Wissenschafter Ronald Kühnlein. Diese Fett-Tröpfchen sind von einer Membran umschlossen. Durch Untersuchungen an Säugetieren sei bereits bekannt gewesen, das sich spezielle Eiweißstoffe an dieser Membran anlagern und so das Gleichgewicht zwischen Fetteinlagerung und Fettmobilisierung maßgeblich beeinflussen.

Entscheidender Stoff

Säugetiere, denen der spezielle Eiweißstoff Perilipin fehlte, speicherten selbst bei sehr fettreicher Ernährung nur wenig Fett, berichtete Kühnlein. Seine Arbeitsgruppe habe jetzt nachgewiesen, dass Lsd2, ein Verwandter des Perilipins, bei Drosophila ähnliche Effekte auslöse. Fliegen, die auf genetischem Weg dazu gebracht wurden, kein Lsd2 zu bilden, lagerten wenig Fette ein. Ganz anders ihre Artgenossen, bei denen Lsd2 auf ebenfalls genetischem Weg überaktiviert wurde: Sie wurden dick und fett.

Noch seien weitere Untersuchungen erforderlich, sagte Kühnlein. Sie sollen klären, ob "dicke" Fliegen tatsächlich als Modellsystem für menschliche Fettstoffwechsel-Erkrankungen dienen können. (APA/dpa)

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    foto: der standard
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