Powell macht Zwischenstopp in Belgrad

3. April 2003, 09:38
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Erster Besuch eines US-Außenministers seit dem NATO-Luftkrieg gegen Serbien 1999

Belgrad - Zwischen Ankara und Brüssel stattete Powell am Mittwoch Belgrad einen Blitzbesuch ab. Er wolle, hieß es, der Witwe des ermordeten serbischen Premiers Zoran Djindjic sein Beileid ausdrücken und der Regierung die Unterstützung gegen das organisierte Verbrechen zusichern. Es war der erste Belgrad-Besuch eines US-Außenministers seit dem Nato-Luftkrieg gegen Jugoslawien 1999.

Pflichtgemäß mahnte Powell Belgrad, die Zusammenarbeit mit dem UN- Tribunal für Kriegsverbrechen in Den Haag zu verbessern, das Thema schien jedoch eher nebensächlich zu sein.

An der Spitze der Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro (SiCG) und der serbischen Regierung ist es zu einem Wechsel gekommen, und Powell wollte sich nach womöglich neuen Verbündeten auf dem Balkan umsehen. Den ausdrücklich antiamerikanisch gesinnten, ehemaligen jugoslawischen Bundespräsidenten, Vojislav Kostunica, hat an der Spitze von SiCG der proamerikanisch orientierte Montenegriner Svetozar Marovic abgelöst. Im Gegensatz zu den meisten anderen Transitionsländern hat Djindjic auch in der Irak- Frage eine explizit europäische Politik geführt, er hegte besonders enge politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland und Frankreich. Ob sein Nachfolger Zoran Zivkovic diese Außenpolitik fortsetzen wird, ist immer noch unbekannt.

Ohne es an die große Glocke hängen zu wollen, will Belgrad von den USA Verständnis für die schwierige Lage der Serben im Kosovo und Garantien dafür, dass Washington eine Unabhängigkeit der Provinz nicht zulassen würde. Powell ist der erste amerikanische Staatssekretär, der nach den Luftangriffen der Nato auf Jugoslawien 1999 Belgrad besuchte. Analytiker vor Ort meinen, dass Powells Besuch in Belgrad eine völlig neue amerikanische Balkanpolitik einleiten könnte. Nach dem Krieg in Irak könnten sich die vom Islam beeinflussen Bosnien, Albanien und der von Albanern bewohnte Kosovo für Washington als unzuverlässige Verbündete erweisen. (jg, iva/DER STANDARD, Printausgabe, 3.4.2003)

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    US-Außenminister Powell im Gespräch mit Präsident Marovic.

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