Der "Club Jörg" formiert sich

3. April 2003, 13:18
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Der "Knittelfelder" Harald Fischl will eine Haider-Renaissance einleiten - Er sieht den Großteil der FPÖ "längst im Jörg-Lager".

Der "Knittelfelder" Klubpräsident Harald Fischl will eine Haider-Renaissance einleiten. Mit Vorträgen, Klubabenden und einer eigenen "Jörg"-Homepage soll der Kärntner Landeshauptmann wieder unter die Leute gebracht werden. Laut Fischl ist der Großteil der FPÖ "längst im Jörg-Lager".

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Fürstenfeld/Wien - "Vereinfacht gesagt: Uns reicht's." Mit ungezwungener Deutlichkeit attackieren die Hintermänner des "Club Jörg" die Führungsgarde der FPÖ in der vor wenigen Tagen gelaunchten "Jörg"- Homepage. "Es reicht wirklich, wie jener Mann behandelt worden ist und noch immer behandelt wird, der diese FPÖ zur zweitgrößten politischen Kraft in unserem Land geführt hat", echauffiert sich der unterzeichnende Klubvorstand.

"Club Jörg"-Präsident Harald Fischl spricht von "sensationellen" Entwicklungen rund um die neue Fangemeinde des Kärntner Landeshauptmannes. Es sei eine starke "Eigendynamik" entstanden, immer mehr FPÖ-Mitglieder würden in den "Club Jörg" wechseln. Mitgliederkarten müssten bereits nachgedruckt werden. Zahlen wolle er aber noch keine bekannt geben. Fischl: "Es melden sich Leute vom Universitätsprofessor bis zum Apotheker, vom Pensionisten bis zur Hausfrau beim Klub an. Vor allem Vizepräsident Ewald Stadler werde "von sehr vielen Intellektuellen" angesprochen.

Knittelfelder Drahtzieher

Der ehemalige FPÖ-Politiker Fischl war einer der Drahtzieher des Knittelfelder Putsches. Er gibt zwar zu, dass mit der neuen Pro-Haider-Bewegung durchaus Druck auf die eigene Parteispitze ausgeübt werde, mit einem neuerlichen Aufstand sei aber kaum zu rechnen. Und somit auch nicht mit einer vorzeitigen Sprengung der VP-FP-Koalition im Bund. Jetzt Neuwahlen zu riskieren sei unklug. Die FPÖ stünde Umfragen zufolge nur noch bei sechs bis sieben Prozent. Fischl im Gespräch mit dem Standard: "Jetzt Neuwahlen, und die FPÖ ist total im Eimer."

Fischl ist aufgrund des Feedbacks seit der Gründung des "Jörg"-Fanklubs überzeugt, dass zwar massive Ablehnung Jörg Haiders existiere, diese in der FPÖ aber marginal sei. Fischl: "Die Mehrheit ist klar für ihn." Aber Haiders Comeback werde noch länger auf sich warten lassen. Die FPÖ müsse so lange als möglich in der Regierung verbleiben, um dort eine neue Position aufzubauen.

Knittelfelder sickern ein

Dass Fischl samt seinem Klubvizepräsidenten Ewald Stadler relativ maulzahm geworden ist, liegt auch an Umstand, dass sie ganz offensichtlich wohlwollend das "Einsickern" von Knittelfelder Inhalten und Personen in die "offizielle" FPÖ registrieren. Fischl zeigt sich selbstbewusst: "Das ist ohnehin nicht mehr aufzuhalten." Mit der neuen niederösterreichischen FPÖ-Chefin Barbara Rosenkranz, die nach dem Wahldesaster die Führung in der Landespartei übernehmen wird, komme nicht nur eine "Knittelfelderin" ans Ruder, sondern eine "FPÖ-Repräsentantin, die für die freiheitlichen Werte, wie sie Jörg Haider formuliert hat", stehe. Nachsatz Fischls: "Auch wenn sie da und dort ein bissl altvaterische Ansichten hat."

Während der FPÖ-Spitze um Haupt am Mittwoch versuchte, das niederösterreichische Wahlergebnis ungestört von Journalistenfragen zu verdauen, erklärte Fischl: Der Parteispitze werde nun Zeit gegeben, um sich im Sinne Knittelfeld zu konsolidieren und Gegenpositionen zum ÖVP-Regierungspartner aufzubauen - um so wieder Profil zu gewinnen. Nebenher werde sich der "Club Jörg" in den kommenden Monaten öffentlich stark bemerkbar machen. Mit Klubabenden, Diskussionen und per Internet soll Jörg Haider wieder unter die Leute gebracht werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.4.2003, Walter Müller)

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    Der Clubpräsident und sein Vize: Harald Fischl (re.) und Ewald Stadler

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