Irak-Krieg erfasst heilige Stätten der Schiiten

2. April 2003, 16:43
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In Nafaf und Kerbala sind die Imame Ali und Hussein begraben

Wien - Der Irak-Krieg hat am Mittwoch die heiligen Städte der Schiiten, Kerbala und Najaf, erfasst. In Najaf, etwa 150 Kilometer südlich von Bagdad, liegt das Grab des Kalifen Ali, dem Cousin und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, der als Begründer der schiitischen Glaubensrichtung verehrt wird. In Kerbala, etwa 100 Kilometer im Süden der Hauptstadt, ist Hussein, Alis Sohn, begraben, der im Jahr 680 in einem für ihn und seine Anhänger aussichtslosen Gefecht hingemetzelt wurde.

Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini lebte während seines Exils bis 1978 vierzehn Jahre lang in Najaf, von wo aus er den Sturz des Schah-Regimes 1979 vorbereitete.

Bereits 1991 Schauplatz blutiger Gefechte

Die beiden Städte waren bereits im März 1991 kurz nach Ende des Golfkriegs Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. Bei einem Aufstand der schiitischen Opposition und der brutalen Niederschlagung durch Elite-Truppen des irakischen Präsidenten Saddam Hussein waren hier mehrere Tausend Menschen getötet worden.

Rund 60 Prozent der Bevölkerung gehören im Irak zur Glaubensrichtung der Schia, im östlichen Nachbarland Iran sind es weit über 90 Prozent. Saddam Husseins, ein Sunnit, zollte durch wiederholte Besuche in Najaf und Kerbala den Schiiten seinen Respekt.

Pilgerreise nach Kerbala und Najaf fast so wertvoll wie die Hadsch

Najaf und Kerbala haben für die Schiiten eine Bedeutung wie Rom, Lourdes oder Jerusalem für die Christen. Besonders Husseins Schicksal ist von zentraler Bedeutung im schiitischen Prozessionsritual, bei dem Männer sich blutig geißeln. Für die Schiiten des Irak und auch des Iran ist eine Pilgerreise nach Najaf und Kerbala fast so wertvoll wie der Hadsch, die Pilgerfahrt nach Mekka in Saudiarabien, zur Geburts- und Wirkungsstätte des Propheten Mohammed.

Die prächtige Moschee in der 250.000 Einwohner zählende Stadt Najaf wurde in den letzten Jahren auf Staatskosten restauriert. Das 185.000 Einwohner zählende Kerbala am Rande der Wüste, liegt inmitten fruchtbarer Obstgärten voller Grün und Palmen.

In Kerbala fand die Schlacht zwischen Hussain und dem Kalifen Yazid statt, bei der der Sohn des Kalifen Ali und der Tochter des Propheten Mohammed, Fatima, unterlag. Der Sieger Yazid war der Sohn von Muawiyya, dem Begründer der Omajjaden-Dynastie, der nach der Ermordung Alis die Macht an sich gerissen hatte.

Ursprung der Bezeichnung "Schiiten"

Die Bezeichnung Schiiten leitet sich von "Schi'at Ali" - Partei Alis - ab. Im Unterschied zu den Sunniten erkennen sie nur Ali und seine Nachkommen aus der Ehe mit Fatima als allein berechtigte Nachfolger des Propheten Mohammed bei der Leitung der Gesamtgemeinschaft der Gläubigen (Umma) an.(APA)

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