Wiener Dürer-Schwerpunkt, der erste

2. April 2003, 14:38
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Druckgrafiken aus dem Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste im Dommuseum

Wien - Die erste von zwei großen Dürer-Ausstellungen dieses Jahres in Wien ist von 3. April bis 28. Juni dem vielfältigen druckgrafischen Werk des Nürnberger Meisters gewidmet. Das Erzbischöfliche Dom- und Diözesanmuseum zeigt einen thematisch gegliederten repräsentativen Querschnitt aus den Beständen des Kupferstichkabinetts der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Darunter finden sich die drei berühmten Blätter "Melancolia I", "Ritter, Tod und Teufel" und "Hieronymus" von 1514, sowie - Museumsname verpflichtet - der 20-blättrige Marienzyklus ebenso wie der vollständige Passionszyklus, wo Dürer gänzlich eigenständige Visualisierungen des Leben Jesu verwirklichen konnte.

"Neue Art des Informationstransportes"

Die Arbeiten Dürers (1471-1528) stammen aus einer Zeit des Umbruchs, wo die neuartige Drucktechnik einen "Einbruch der Bildwelt in den bilderlosen Alltag hervorrief, der eigentlich nur mit der Entstehung des Internets vergleichbar ist", sagte Kurator Johannes Ramharter am Mittwoch bei der Präsentation der Ausstellung.

Eine "ganz neue Art des Informationstransportes" haben die gedruckten Blätter ermöglicht, die als "normales Nürnberger Qualitätsprodukt" u. a. auch auf Märkten und in fast ganz Europa feilgeboten wurden, so Ramharter. Dürer, der durch seinen Patenonkel Anton Koberger, einem der bedeutendsten Buchdrucker Europas, früh mit der Drucktechnik in Berührung kam, etablierte die ursprünglich der Textillustration gewidmeten Druckgrafiken rasch als eigenständige Kunstform. Und diese ermöglichte dem Künstler, der dank der relativ billigen Herstellung und der großen Auflagen unabhängig von jedem Auftraggeber arbeiten konnte, neue Freiheiten des "authentischen Ausdrucks", so Ramharter.

Themenpark zur Zeitwende

Mit Ausnahme eines Stilvergleiches im Eingangsbereich, wo anhand mehrerer Darstellungen der Muttergottes mit dem Jesuskind aus der Zeitspanne von 1491 bis 1520 Dürers Entwicklung vom scharfgestrichelten spätgotischen bis zum monumental-plastischen Stil der Frührenaissance nachvollzogen werden kann, ist die Schau nicht stilistisch, sondern thematisch geordnet. Die pessimistische Grundstimmung der Zeitwende, Bilder zur Heilsgeschichte, Dürers künstlerische Auseinandersetzung mit Humanismus und Reformation und auch das "Nachleben" - Künstler, die von Dürer beeinflusst wurden - werden in der Schau gezeigt.

Die Werke werden in Dialog mit den Beständen des Dommuseums gestellt. Buch-Studien Dürers zum Renaissance-Ideal der perfekten Proportion laden zum Vergleich mit etwa dem "Adam und Eva"-Stich aus dem Jahre 1504 ein; der ebenfalls gezeigte Ober St. Veiter Altar, der von Dürer entworfen und von seiner Werkstätte (v. a. Hans Leonhard Schärfelein) ausgeführt worden war, und die im selben Raum gezeigte "Kreuzigung Christi"(um 1497/98) bieten Beispiele für die Wiederverwendung einzelner Bildelemente in verschiedenen Werken.

Ab dem 5. September zeigt dann die Albertina ihre Dürer-Schau. (APA)

Service

"Albrecht Dürer Druckgraphik", Dienstag bis Samstag, 10 bis 17 Uhr

Link

dommuseum.at

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Closeup aus 'Ritter, Tod und Teufel'

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