Radiergummis oder feuchte Mullbinden?

2. April 2003, 13:01
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Restaurierungsarbeiten an Michelangelos David verzögern sich - Streit um Reinigungsmethode

Florenz - Der Abschluss der Restaurierung des weltberühmten David von Michelangelo (1475-1564) wird sich bis zum kommenden Jahr verschieben. Meinungsverschiedenheiten über die Methode der Reinigungsarbeiten hätten zu dieser Verzögerung geführt, sagte ein Sprecher der Galleria dell'Accademia in Florenz am Mittwoch. Die Marmor-Statue ist seit 1882 in dem florentinischen Museum ausgestellt und wird seit vergangenem September zum ersten Mal einer gründlichen Säuberung unterzogen. Ursprünglich hätte die Restaurierung bis zum 31. März 2003 abgeschlossen sein sollen.

In der vergangenen Woche hatte die mit den Arbeiten beauftragte Restauratorin Agnese Parronchi ihre Kündigung eingereicht. Sie wollte die von ihr vorgeschlagene erste trockene Reinigungsphase fortsetzen, die ausschließlich mit kleinen Bürsten und speziellen "Radiergummis" durchgeführt wird. Der wissenschaftliche Aufsichtsrat des Museums entschied jedoch, durch eine feuchte Reinigung mit getränkten Mullbinden die Arbeiten zu beschleunigen. "In diesem Anfangsstadium der Säuberung hielt ich diese Methode jedoch nicht für angebracht", erklärte Parronchi. Ihr Nachfolger soll im kommenden September ernannt werden. Bis dahin ruhen die Arbeiten.

Michelangelo schuf die 4,34 Meter hohe Skulptur zwischen 1501 und 1504. Das Werk wurde aus einem einzigen Marmorblock gehauen und zeigt David genau in dem Moment, in dem er den Stein an die Schulter hebt, um Goliath zu erschlagen. Die Statue gilt als eines der Glanzlichter der italienischen Hochrenaissance und lockt alljährlich Hunderttausende Besucher in die Galleria dell'Accademia.(APA/dpa)

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