Von der Schiene zur Straße

30. Dezember 2009, 19:31
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Die Förderung der Bahn wird gerne versprochen - aber in der Praxis meist vergessen - Der Trend zum Umstieg auf Busverkehr ist im Kursbuch unverkennbar

Es gehört zu den schon lieb gewordenen Traditionen, dass Verkehrspolitiker, Minister, einschlägig vorbelastete Generaldirektoren bei ihrem Amtsantritt die Verlagerung des Straßenverkehrs auf die Schiene propagieren. Das wird allgemein beklatscht, dann aber vergessen, wie man etwa dem neuen Kursbuch der ÖBB entnehmen kann. Dass Venedig von Wien aus tagsüber auf dem Schienenweg nicht mehr zu erreichen ist, wurde an dieser Stelle schon erwähnt, der Trend von der Bahn zum Bus - also von der Schiene zur Straße - entgegen allen Beteuerungen der Offiziellen ist unverkennbar.

So ist etwa der Personenverkehr durch das Gesäuse auf ein Zugspaar "ausgedünnt". Der REX 3294 STIFT ADMONT Wien West-Schladming) und der REX 3295 NATIONALPARK GESÄUSE Schladming - Wien West) fahren allerdings nur an Samstagen, Sonn- und Feiertagen, sonst heißt es: Fahrplanauskünfte zum Autobusangebot zwischen Liezen, Admont und Weißenbach erhalten Sie im Internet, beim Callcenter und an den Bushaltestellen.

Auf der Ybbstalbahn (Waidhofen an der Ybbs - Lunz am See) gibt es wegen einer Streckenunterbrechung nur einen Schienenersatzverkehr mit Bus, der dem Vernehmen nach zur Dauereinrichtung wird. Die Gültigkeit des Schienenfahrplans werde - so das Kursbuch - gesondert verlautbart; möglicherweise am Sankt-Nimmerleins-Tag.

In der Relation St. Pölten - Tulln sind zahlreiche Züge durch Busse ersetzt, die natürlich keine Fahrräder mitnehmen, was nicht gerade zur Belebung des Traisentalradweges beitragen wird. Und wenn im Fahrplanbild 811 (Krems an der Donau - Emmersdorf an der Donau) die Buspreise für einige Relationen dazwischen angegeben sind, kann dies nicht unbedingt als positives Omen gedeutet werden.

Die Züge der Inneren Aspangbahn enden derzeit wegen der Sperre des Südbahnhofs in Maria Lanzendorf, bis zum Südtirolerplatz geht es mit dem Bus weiter. Dieses Provisorium soll mit der Inbetriebnahme des neuen Zentralbahnhofs in zwei Jahren enden.

Signifikant für die Bemühungen, den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, ist die Einstellung der Autoreisezüge Graz-Feldkirch, Wien-Rijeka, Wien-Split, Wien-Koper und Wien-Berlin. Der Autoreisezug Wien-Rom braucht eine halbe Stunde länger als im Vorjahr. (Bernd Orfer, DER STANDARD Printausgabe, 31.12.09/01.01.10)

 

  • Der Trend von der Bahn zum Bus - also von der Schiene zur Straße - entgegen allen Beteuerungen der Offiziellen ist unverkennbar.
    foto: christian fischer/der standard

    Der Trend von der Bahn zum Bus - also von der Schiene zur Straße - entgegen allen Beteuerungen der Offiziellen ist unverkennbar.

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