Guantánamo-Schließung steht infrage

30. Dezember 2009, 19:15
  • "Wir tragen eine Bombe, um die Feinde Gottes zu treffen" : Al-Kaida-Video, das um den 21. Dezember im Jemen aufgenommen wurde.

"Häftling Nummer 333" und "Häftling Nummer 372" sollen nach ihrer Freilassung Führungsrollen bei der Al-Kaida im Jemen übernommen haben

Nach dem vereitelten Flugzeugattentat kritisieren viele die geplante Rückkehr von Guantánamo-Insassen in den Jemen. Präsident Barack Obama räumte Fehler ein, da die CIA Hinweise zum Attentat nicht verfolgt hatte.

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Washington - Es ist Barack Obamas heiligstes Versprechen: Die Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba. Innerhalb eines Jahres sollte der Schandfleck der Bush-Ära beseitigt sein. Doch das vereitelte Flugzeugattentat des Nigerianers Umar Faruk Abdulmutallab könnte die Schließung infrage stellen.

Die Enthüllungen des TV-Senders ABC, dass zwei der vier Drahtzieher des Attentats ehemalige Guantánamo-Insassen seien, setzen den US-Präsidenten schwer unter Druck. "Häftling Nummer 333" und "Häftling Nummer 372" sollen nach ihrer Freilassung Führungsrollen bei der Al-Kaida im Jemen übernommen haben. Dort soll das Attentat geplant worden sein. Rund 90 der 198 Häftlinge, die derzeit noch auf Kuba einsitzen, sind Jemeniten - und nach Obamas Konzept sollen viele von ihnen in ihre Heimat zurück dürfen. Laut Washington Post erhielten bereits 34 Jemeniten grünes Licht.

Die Senatoren John McCain, Lindsey Graham und Joseph Lieberman forderten Präsident Barack Obama bereits am Dienstag auf, die geplante Übergabe von sechs Insassen solange auszusetzen, bis die Sicherheitslage in dem Land garantiert werden könne. Zurück in den Jemen sei lediglich ein anderes Wort für "zurück auf das Schlachtfeld" , sagte der republikanische Abgeordnete Pete Hoekstra. Ähnlich sieht das sein demokratischer Kollege und Vorsitzender des Heimatschutz-Ausschusses Bennie Thompson: "Mehr Leute in den Jemen zu schicken ginge wohl etwas zu weit." Das Ganze müsse noch einmal überdacht werden.

Das Dilemma von Obama: Auch ein Fortbestehen des Lagers kann kaum im Sicherheitsinteresse der USA liegen. US-Regierungsexperten warnen, Al-Kaida nutze "Guantánamo" geradezu als Kampfbegriff und als Argument, neue Kämpfer gegen die USA zu mobilisieren.

Katastrophale Mängel

Nachdem bekannt wurde, dass Abdulmutallab kein Flugverbot erteilt worden war, obwohl selbst sein Vater die USA vor den radikalen Absichten seines Sohnes gewarnt hatte, räumte Obama "potenziell katastrophale" Sicherheitsmängel ein. Der Attentäter hätte angesichts der vorliegenden Informationen kein US-Flugzeug betreten dürfen. Die CIA dürfte entsprechende Warnungen nicht weitergegeben haben. Das Weiße Haus erwarte bis Donnerstag einen ersten Bericht der Behörden, so der Präsident. Unterdessen werden Ziele im Jemen für mögliche Vergeltungsschläge gesucht. Der Jemen ist als neue Hochburg der Al-Kaida im Visier der US-Geheimdienste. Als Kopf der Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel gilt inzwischen der Saudi-Araber Saeed al-Shehri. Auch er saß bis November 2007 in Guantánamo ein.

In Nigeria hat der nationale Sicherheitsberater Abdul Sarki Mukhtar dem Geheimdienst des Landes im Zusammenhang mit dem gescheiterten Anschlag Versagen vorgeworfen. Der Geheimdienst NIA habe über einen Bericht über Abdulmutallab verfügt, nach dem dessen Vater sich aus Sorge über die zunehmende Radikalisierung seines Sohnes an einen Geheimdienstoffizier gewandt hatte. Dieser Bericht sei jedoch nicht den anderen Sicherheitsbehörden bekanntgemacht worden. (AFP, AP, dpa, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2009)

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20 Postings
zimbo
 
12
Obamas schönstes Folterlager.

Wieso sollte ein Kriegsnobelpreisträger das schließen wollen.

Student der Magie
13
31.12.2009, 17:10
für mich sind diese Folterlager wie Guantanamo eine Brutstätte für Terroristen,

dort werden echte Terroristen gezüchtet.

Ich denke mir, wenn man zusehen muss, wie die eigenen Kinder mit abgebrochenen Flaschenhälsen vergewaltigt werden, oder die eigene Frau, oder man selbst, wenn man Jahre lang gedemütigt, geschändet, gequält gefoltert und niedergmacht wird, unmenschlich behandelt wird, dann wird jeder unter so einer Behandlung zu einem potentiellen Terroristen, weil das erfahrende Leid zu groß ist um es nicht irgendwie ausgleichen zu müssen, und sei es durch einen irrational erscheinenden Terroranschlag.

Man sollte diese Zuchtbetriebe für Terroristen alleine deshalb schließen. Von der Frage, wie man als "Non plus Ultra-Demokratie und Freiheitsstaat" mit Menschen umgeht ganz zu schweigen.

gutartiger Bösmensch
02
31.12.2009, 20:58
Inzwischen hat sicher herausgestellt

das die Story von ABC falsch war und die "Drahtzieher" nix mit Gitmo zu tun haben. Was die Republikaner natürlich nicht daran hindert das weiterhin zu verwenden.

http://tpmmuckraker.talkingpointsmemo.com/2009/12/a... hp?ref=fpa

leap in the dark
00

im überfluss aktueller verschwörungstheorien wird nur recht selten erwähnt, gegen welch einflussreiche und gut organisierte medien- und politfront die obama-regierung auch innerhalb der USA antreten muß.

beinstein
12
31.12.2009, 12:33
WIE WÄRS MAL DAMIT..

terroristen (mutmaßliche) wie andere verbrecher auch in legale haft zu nehmen, anstatt sie entweder in folterlager zu stecken, die jeder (menschen-)rechtlicher basis entbehren oder im anderen extrem, unverständlicherweise gleich total in freiheit zu entlassen?
diese amis - kopfschüttel.

John Malkovich
10
31.12.2009, 15:58

ich gehe mal davon aus, dass bei vielen Gefangenen auf Guantanamo nur Tatverdacht bestünde und aus Mangel an Indizien müssten der ein oder andere Inhaftierte freigelassen werden, obwohl man bei manch einem weiss, dass dieser zumindest Kontakte zu gewissen Terrorzellen gehabt habe... wenn man sie dann aber erst auf frischer Tat ertappt dann ist es natürlich zu spät.

Chien de Pique
12
31.12.2009, 14:30
Legale Haft ist leider keine Lösung, wäre es höchstens zu Beginn gewesen. Ein Großteil der Beweise wurde widerrechtlich erlangt, die Leute widerrechtlich verschleppt; reguläre polizeiliche Ermittlungen inmitten eines praktisch zerfallenen,

von Warlords und Clanfürsten beherrschten und Taliban tyrannisierten Landes sind auch ein Ding der Unmöglichkeit. Noch dazu, wenn als Komplikation hinzukommt, dass ihre Taten vielleicht in Einklang standen mit dem damals in Afghanistan geltenden Gesetz? Und wer liefert ihn aus? In vielen Fällen sind drei Staaten oder mehr - Heimatstaat, Afghanistan und USA involviert - wer bekommt und richtet ihn? Gar ein eigener Internationaler Strafgerichtshof?
Und was macht man mit Leuten, die offenkundig völlig durchgeknallt sind und rasend vor Mordlust, deren Beteiligung an früheren Verbrechen zwar nicht nachweisbar ist, die aber kaum verhehlen, dass ihnen ganz anderes bei allernächster Gelegenheit zuzutrauen ist? Guantanamo ist aber fraglos Unrecht.

Pro Consul
00
31.12.2009, 16:41
@Chien de Pique

ausgezeichneter Kommentar, - wie immer! Allerdings bezweifle ich, dass man hier auf derstandard.at überhaupt verstehen/hören will.

Josef Obermaier
12
31.12.2009, 10:16
Dumm gelaufen


Offensichtlich waren also doch nicht alle Guantamo-Einsitzer nur harmlose Touristen, die rein zufällig in einem Gottesstaat einen Selbstverteidigungskurs in einer dortigen Volkshochschule besucht haben.

Die Welt ist unsicherer geworden seit Obama Präsident der USA ist.

barbarutta
00

möglicherweise sind einige der illegal und unschuldig eingesperrten erst durch die jahrelange haft unter unwürdigsten bedingungen radikalisiert worden.....

Schlom Wurzel
00
31.12.2009, 15:57

Gibt's denn ein neues Lager? Haben Sie da Insiderinformationen?

EL SALVADOR
01
31.12.2009, 14:33

Sie meinen also ansatzweise, dass man GEORG BUSH doch etwas nachtrauern sollte?

Hermine Berg
 
14
31.12.2009, 09:41
aha

also daher weht der wind. sie brauchen einen vorwand, um guantanamo offen zu halten.

opti
01
31.12.2009, 09:06
obama in der falle


wenn jemand jahrelang gegen jedes internationale recht gefangengehalten und gefoltert wird - ist es vielleicht verständlich, dass er für rachegedanken empfäglich ist oder?
je länger er drinnen sitzt, desto mehr - bis zu einem bestimmten punkt, wo er zu eigenen aktivitäten nicht mehr fähig ist

solange aber auch noch ein gefangener in guantanamo sitzt wird dieses symbol der verhöhnung aller internationalen vereinbarungen durch die usa weitere terroristen motivieren

ziemlich blöde lage, die freund bush da aufgebaut hat

jetzt soll sich obama was überlegen und mit dem friedensnobelpreis nachdenken wie er da rauskommt



King Awesome
03
31.12.2009, 04:16

Wenn ehemalige Guantanamo Häftlinge Drahtzieher in einem Terror-akt sind, zeigt dass nur wie sinnlos die Praktizierung von Folter und Verhör ist.

leap in the dark
00

Titel: ABC Runs Correction After Brian Ross Report on Fmr. Gitmo Prisoners Turned al Qaeda Operatives

Plattform: Youtube

URL: http://www.youtube.com/watch?v=L... r_embedded

NONE
17
31.12.2009, 00:03

Geschickt gemacht. So kommt Obama ohne Probleme von seinem Wahlversprechen ab - denn jetzt ist nachweislich bewiesen das Guantanamo-Häftlinge gefährlich sind und man sie gar nicht mehr freilassen kann.

Der beste change ist immer noch der change vom change.

ciao4zampe
 
03
31.12.2009, 06:54



wie gewünscht -

so geliefert.

die vermeintlichen polit-idole sind allzeit treue diener ihrer richtungsgebenden bezahl-herrscher.

man muss sich die frage stellen "wem gehören die staatsschulden" weil nach dessen pfeife man tanzt.
http://www.heise.de/tp/r4/art... 798/1.html

TheNepomuk
31
31.12.2009, 01:44

Man kann natürlich wieder irgendwelche Verschwörungstheorien reininterpretieren... Ihrer Argumentation nach hat Obama wohl den versuchten Anschlag unterstützt um Guantanamo nicht schließen zu müssen - was für ein Schwachsinn!

Der Vorfall spielt einfach seinen Kritikern in die Hände, wodurch er sich natürlich schwerer tut.

Hoffen wir halt, dass er nicht einknickt und die Schließung trotzdem durchzieht, alles andere wäre in meinen Augen ein Fehler.

panda3000
00
30.12.2009, 23:49

Was haben die Amis bei "Don't feed the Troll" nicht verstanden?

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