Wiener Börse machte Verluste gut

30. Dezember 2009, 18:55
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Der ATX legte 43 Prozent zu und schlug sich besser als manch internationale Konkurrenz

Wien - Nach einem turbulenten Verlauf mit vielen Höhen und Tiefen konnte die Wiener Börse im abgelaufenen Börsenjahr 2009 ziemlich genau die Hälfte der Kursverluste wieder gut machen, die sie seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor schon mehr als zwei Jahren erlitten hat. Der Leitindex ATX konnte seit Jahresbeginn rund 43 Prozent auf knapp 2.500 Punkte dazu gewinnen, seit dem Jahrestief im März sind es sogar 80 Prozent. Im Vorjahr, dem schlimmsten Jahr seit dem 19jährigen Bestehen des ATX, fiel das Kursniveau um über 60 Prozent.

Der Wiener Finanzplatz schneidet 2009 deutlich besser ab, als die großen internationalen Börsen, was auch damit zusammenhängt, dass er im Vorjahr von den internationalen Investoren für das hohe Ost-Engagement abgestraft wurde. Für Börsenvorstand Heinrich Schaller ist die diesjährige positive Abweichung deswegen auch nicht übertrieben ausgefallen.

Der Dow Jones Industrial der New Yorker Börse etwa konnte heuer rund 20 Prozent dazu gewinnen, in etwa genau soviel wie auch der die größten 50 europäischen börsennotierten Unternehmen umfassende Eurostoxx50 oder der Nikkei225 der Börse in Tokio. Auch gegenüber dem Frankfurter DAX - er machte 2009 etwa 24 Prozent gut - liegt der ATX besser.

Brasilien und China

Die größten Gewinne konnten Anleger allerdings mit brasilianischen oder chinesischen Aktien machen. Der Bovespa-Index der Börse von Sao Paolo ist mit 81 Prozent unangefochtener Spitzenreiter unter den etablierten Börsen. Der Hang Seng-Index der Börse in Hongkong liegt mit +49 Prozent ebenfalls über dem ATX, wie auch die Börsen von Mexiko und Stockholm.

Von den 20 im ATX vertretenen börsennotierten Unternehmen weisen diesmal nur drei eine negative Jahresperformance auf, nämlich die Post AG (-16 Prozent), der Verbund (-8 Prozent) und die Telekom Austria (-3,7 Prozent). Alle anderen Titel verzeichnen teils sehr kräftige Zugewinne. Spitzenreiter ist der Internetwettanbieter bwin, dessen Aktienkurs sich seit Jahresbeginn von 13 auf über 40 Euro mehr als verdreifacht hat. Auch die Aktien des Vorarlberger Leuchtenherstellers Zumtobel weisen mit einem Anstieg von rund 150 Prozent eine überdurchschnittliche Performance auf, ebenso Andritz (+120 Prozent) und Raiffeisen International (+101 Prozent).

Bis Mitte März hat es heuer gedauert, bis die durch die Finanzkrise ausgelösten Kursabstürze abgebremst werden konnten. Am 9. März markierte der ATX mit 1.379 Punkten sein diesjähriges Jahrestief, das Jahreshoch wurde am 20. Oktober mit 2.775 Punkten erreicht. Das lag noch immer um 44 Prozent unter dem bisherigen Allzeithoch von knapp 4.892 Punkten, das am 9. Juli 2007 erzielt wurde.

Marktkapitalisierung wieder gestiegen

Die Marktkapitalisierung der Wiener Börse stieg als Folge der Kursgewinne auf gut 77 Mrd. Euro nach 53,1 Mrd. Euro zu Jahresbeginn. Anfang 2008 lag sie allerdings schon bei 156,6 Mrd. Euro. Trotz der seit März zurückkehrenden positiven Stimmung haben sich die durchschnittlichen monatlichen Handelsumsätze in diesem Jahr beinahe auf rund 6 Mrd. Euro halbiert.

Für das kommende Jahr sieht der Wiener Börse-Vorstand eine positive Grundstimmung und geht von einer Stabilisierung und in der Folge mit einem weiteren Anstieg der Kurse sowie mit einer leichten Zunahme der Handelstätigkeit aus. Zudem wird auf eine Trendwende bei den Börsengängen gehofft. In diesem Jahr ist es zu keiner einzigen Neunotierung gekommen.(APA)

 

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