Viel, aber nix Neues in der City

30. Dezember 2009, 18:27
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Wiens Silvesterpfad lockt zum 20. Mal die Massen in Innenstadt und Prater - Die Veranstalter begrüßen das neue Jahr nach altem Rezept

Wien - Im neuen Jahr wird ja alles anders. Sagt man. Doch darüber, dass man den Beginn der Zukunft stets exakt so begeht wie schon den der Vergangenheit, als sie noch Zukunft war, macht sich wohl kaum einer der knapp 700.000 Menschen Gedanken, die heute ab 14 Uhr die Wiener Innenstadt bevölkern werden.

Schließlich ist der Wiener Silvesterpfad nicht dazu da, spitzfindig über Gewohnheiten nachzudenken: Der Silvesterpfad ist eine Institution - und per Definition "mega". Hier zählt Quote (650.000 Besucher im Vorjahr) - und die macht man mit dem, was bewährt ist. Heuer also zum 20. Mal.

An elf Standorten in der City kann man daher auch heuer das neue Jahr begrüßen. Jubiläumsprogramm gibt es keines - nur ein paar Details wurden "umgeschichtet": Hobbytänzer erhalten ihre Walzerauffrischungskurse heuer nämlich nicht vor dem Rathaus, sondern auf der Freyung.

Denn der Rathausplatz steht im Zeichen von Kindern und Retro-Pop: Am Nachmittag Kasperl, am Abend Michael-Jackson-Epigonen. Wer selbst singen will, tut das nächst der SPÖ-Zentrale in der Löwelstraße per Karaoke - am Abend kommen Oldies und Discohadern aber aus der Konserve. Am Hof gastiert die Ö3-Disco - ebenfalls mit Retro-Hit-Programm.

Der Graben wird auch heuer zu "Wiens größtem Ballsaal" - und beim Haus der Musik gibt es Rock'n'Roll. Musik aus der Gegenwart gibt es am Hohen Markt mit den DJs von Radio Superfly.

Für die Stimmung zumindest mitverantwortlich sind aber wohl auch die 70 Gastrostände und 50 Dreieckshütten in der City.

Feuerwerk und Astromeile

In den zum zweiten Mal zur Pfad-Expositur erklärten Prater locken "Astromeile", Tanzakrobatik und - um Mitternacht - Feuerwerk.

Erinnerungsfotos an diese Nacht dürften heuer aber doch anders als sonst aussehen: "Wir gehen jede Wette ein, dass der ,angeknabberte' Mond mit Feuerwerk das Fotomotiv schlechthin sein wird", heißt nämlich es auf der Home-page von mondfinsternis.net.

Wobei sich die Freunde der "MoFi" (so nennen Auskenner eine Mondfinsternis) schon auch ein wenig wundern: "Eine MoFi, bei der vier Prozent der Mondscheibe in den Kernschatten der Erde treten, ist normalerweise allenfalls eine Notiz", analysieren die Fans, "doch das Timing ist perfekt: erst Abendessen, dann MoFi - und dann Zeit genug, zur Party zu fahren." Freilich gilt es, dennoch sachlich zu bleiben: "Dies ist nicht die letzte Mondfinsternis des Jahrzehnts - das endet nämlich erst am 31. 12. 2010." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe, 31.12.09/01.01.10)

 

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    Ein Klassiker der Silvester-Erinnerungsfotografie: Riesenrad und Feuerwerk bei längerer Belichtungszeit. Heuer ermöglicht eine partielle Mondfinsternis Varianten.

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