Kirchen laden zum Schubhaft-Gipfel

30. Dezember 2009, 17:43
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Beratungen im Februar - Zugang zu denPolizeianhaltezentren wird eingefordert

Wien - Österreichs Kirchen planen einen Gipfel zur Schubhaftbetreuung. Nach dem Auslaufen der Verträge zwischen dem Innenministerium und der Diakonie beziehungsweise der Caritas fordern die Religionsgemeinschaften wieder den Zugang zu den Polizeianhaltezentren. Außerdem wolle man die Möglichkeit zur Seelsorge in der Schubhaft, sagte der evangelische Bischof Michael Bünker am Mittwoch.

Die Enquete, zu der Bünker und Kardinal Christoph Schönborn einladen werden, soll im Februar stattfinden. Teilnehmen sollen Vertreter aller großen Glaubensgemeinschaften.

Derzeit fehle es an adäquater Sozial- und Rechtsberatung für die Insassen in den Polizeianhaltezentren, erklärte Bünker. Bei der Rückkehrberatung in der Schubhaft im Auftrag des Ministeriums werde zudem, "wie es scheint", wenig Wert auf Risikoabwägung gelegt.

Der Nationale Aktionsplan Integration des Innenressorts, der etwa Deutschkenntnisse bei der Einreise verlangt, ist für Bünker der "falsche Weg": "Wenn es diese Regelung zur Zeit der Geburt Jesu gegeben hätte, dann hätten die Heiligen Drei Könige wahrscheinlich keine Chance gehabt, zur Krippe zu kommen, ohne vorher B1 in Hebräisch nachweisen zu können." Sprachkenntnisse seien für eine gelungene Integration zwar selbstverständlich, was jetzt vorgeschlagen wird, sei aber "ein Sanktions- und Abwehrmodell, also eigentlich ein Desintegrationsmodell". Stattdessen solle man den Spracherwerb fördern und mit Anreizen versehen, sagte der Bischof.

In der Debatte um die Entfernung von Kreuzen aus Klassenzimmern nimmt Bünker eine gelassene Haltung ein, denn: "Für mich ist es wichtig, dass die Schüler und Schülerinnen Religionsunterricht haben und dass sie auch Gottesdienste feiern können. Das hängt nicht daran, ob in der Klasse ein Kreuz hängt oder nicht." (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2009)

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