Mussavi "zum Sterben bereit"

1. Jänner 2010, 17:06

Die Stimmen im iranischen Regime, die den Kopf der Oppositionsführer fordern, werden lauter

Mir-Hossein Mussavi beteuert, keine Angst vor dem Tod zu haben - und warnt gleichzeitig das Regime vor Eskalation.

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Teheran/Wien - Der iranische Oppositionsführer Mir-Hossein Mussavi beteuert in einer Erklärung auf seiner Homepage, für die "grüne Bewegung" zum Sterben bereit zu sein. "Ich habe keine Angst, für die Bedürfnisse des Volkes zu sterben" , erklärte Mussavi, dessen Kopf radikale Regimeanhänger immer öfter fordern.

Bereits früher hatten regimetreue Klerikale indirekt die Todesstrafe für Mussavi und andere Oppositionspolitiker wie Mehdi Karrubi und Mohammed Khatami verlangt, indem sie deren Verhaftung und Anklage als "Feinde Gottes" forderten. Die Drohungen werden in Teheran jetzt jedoch bitter ernst genommen, berichtet ein Informant aus Teheran. Auch die Anschuldigungen, die Oppositionellen würden im Sold des Auslands stehen, häufen sich.

Karrubi wurden seine Leibwächter entzogen. Der frühere Parlamentspräsident, ein Geistlicher, gilt als besonders gefährdet, denn er war es, der nach den Protesten nach der Präsidentschaftswahl die Verbrechen des Regimes an verhafteten Demonstranten am lautesten aufgezeigt hat.

Am Freitag meldete sich der Hardliner Ahmad Jannati in seiner Freitagspredigt zu den Geschehnissen zu Wort und forderte die Justiz auf, gegen die Anführer der Proteste vom vergangenen Sonntag, dem Ashurafest, vorzugehen. Die Verhaftungswelle, die zu Beginn der Woche eingesetzt hat - unter anderem wurde auch eine Schwester von Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi festgenommen -, geht weiter. Es existieren Listen mit zur Verhaftung ausgeschriebenen Journalisten. Am Donnerstag wurden in Mashhad dutzende Studierende verhaftet, die sich zu einem stillen Protest versammelt hatten.

Mussavi schrieb auf seiner Homepage weiters, er sehe sein Land in einer "ernsthaften Krise" und forderte die Freilassung aller Gefangenen. Die Festnahme oder Tötung von ihm oder Karrubi werde die Lage nicht beruhigen, im Gegenteil, schrieb Mussavi.

Er forderte auch Änderungen beim Wahlrecht. Die Erklärung, so ein Teheraner zum Standard, gelte unter den Anhängern der "grünen Bewegung" als "sanft" . Die Aufmerksamkeit, die der Erklärung geschenkt werde, sei im Ausland größer als im Iran. Die Forderungen auf der Straße seien schon bei weitem radikaler als die von Mussavi.

Das Regime versuchte in den vergangenen Tagen, seine Anhänger zu mobilisieren. Laut Beobachtern brachte es aber nicht mehr als 50.000 Menschen in Teheran auf die Straße, obwohl viele Beamte verpflichtet wurden, demonstrieren zu gehen. Die Demonstrationen mussten auch gestaffelt werden - an einem Tag außerhalb von Teheran, am nächsten Tag in Teheran -, weil immer wieder dieselben Leute zum Einsatz kamen, behauptet die Opposition.

Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder der Proregierungsdemonstrationen, übertrug jedoch erst später die sonst üblichen Bilder aus der Luft - was zu Spekulationen Anlass gab, die Bilder stammten gar nicht von der aktuellen Demonstration, zu der ja laut Opposition nur relativ wenige gekommen waren. Von den Antiregimeprotesten berichten die Medien hingegen nichts. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 2.1.2010)

Kommentar posten
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Wafa
12
50.000?

Das ein Wundschdenken, Ahmadinejad hat sicherlich mehr Anhänger als 50.000 Menschen in Teheran.

Schon ziemlich dreist Youtube Videos und Berichte der Opposition nicht anzuzweifeln, aber die des Regimes schon. Wie war das noch gleich? Medien ist unparteiisch?

trestigres
 
00
Es ist kein Wunschdenken...

Aussagen eines Regimes, dass massive Gewalt gegen alle Andersdenkenden im Land bis hin zu Tötungen von Demonstranten betreibt, welches in einer Beispiellosen Verhaftungskampagne jede Opposition Mundtod zu machen versucht, zu misstrauen. Dreist ist tatsächlich, die Betreiber eines Wächterstaats, hier in Schutz zu nehmen und so zu tun, als ob die westlichen Medien die Situation im Wächterstaat aufbauschten. Nun dreist wohl nicht - die übliche Propaganda des Regimes und seiner Sympathisanten eben.

Wafa
20

Ein Verfassungsstaat, wenn sie sich so versteht, hat sich gegen Andersdenkende zu wehren... Verfassungsschutz lässt grüßen

Es lebe der Anarchismus

bi-perspektivisch
21
Gudrun Harrer

schafft es wieder mal die Gerüchte auf der Straße als seriösen Journalismus zu verkaufen.

MiNeum71
 
00
Geschichte wiederholt sich ...


Als 1978 der liebe Schah sah, daß ihm die Macht entgleitet, da begann er, Pro-Schah-Demonstrationen zu veranstalten; im nachhinein gesehen war das der endgültige Anfang vom Ende:

http://www.youtube.com/watch?v=J... r_embedded

Herzerzog Johann
30
"zum Sterben bereit"

Wer solchen Schmarren absondert ist um nichts besser als seine Gegner. Das Land ist für längere Zeit verloren, ich sehe da kein Licht.

Markus M.
00
Mussavi ist sicher kein Liberaler,

auch seine Wahl ist nicht demokratisch abgelaufen, da echten Gegenkandidaten die Teilnahme untersagt worden war. Dennoch ist er gewiss liberaler als die jetzige Regierung und zumindest demokratisch legitimierter als Ahmadinejad. Auch die westlichen Demokratien sind, vielleicht mit Ausnahme der USA, deren Gruender ausserordentlich weitsichtig waren, nicht ueber Nacht entstanden, sondern entwickelten sich ueber viele Jahrzehnte, vielleicht sogar, wenn man notwendige Vorbedingungen (z.B. Rechtsstaatlichkeit) beruecksichtigt, ueber Jahrhunderte. Mussavi waere also ein erster, wenn auch kleiner Schritt in eine modernere, aufgeklaertere iranische Gesellschaft.

Dr. Seltsam ?
00

da liegt eigentlich das hauptproblem, die iraner sind im gegensatz zu vieler ihrer nachbarn modern und aufgeklärt aber der staatsapparat bekämpft dies seit jahrzehnten.

Fritz094
 
00
Er ist nunmal ein Populist

und eine fahne im Wind. Wenn auch eine eher progressive Fahne.
Aber Keine Sorge, die Iranische Bewegung ist weder von einer einzelnen Person abhängig noch sonstwie verloren.
Was es jetzt im Iran bräuchte wäre ein demokratisch legitimiertes Kommitee dass die Bewegung organisiert und den Frust in produktiven Bahnen kanalisiert.
Es wird jedoch im allgemeinen Chaos schwierig, soetwas auf die Beine zu stellen.

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
01

der Iran muss nun mal ob es will oder nicht,mit seinen neuen Grenznachbarn USA in norden in süden in westen und osten aus kommen den die sind nun mal da und das seit jahren die Kontrollieren den nahen osten.da kann der Iran nicht so einfach auf stur schalten.
ob die Regierung oder die Oppis beide wissen genau das ohne die USA nichts mehr geht,somit werden die sich schneller als manche hier denken einigen.

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44
Wen wundert es ...

... dass ein Regime, das ständig den anderen Ländern den Tod wünscht, die Vernichtung Israels wie ein Mantra predigt, Hass verbreitet, Terror exportiert, so mit der Opposition umgeht? Nur naiven Europäern wundert es vielleicht, aber der Rest der Welt hat eine klare Position zum Iran: Entweder sie hassen oder lieben ihn. Die, die ihn lieben, sind aber kaum auffindbar.

Corleone73
01


Ausser dem unfassbaren Umgang mit der Opposition, hat nichts in ihrem Post auch nur annähernd mit der Wahrheit zu tun.
Propaganda usw.

RebelAngel
 
21
naja

da gibt's so einen Dicken in Venezuela...

Ernst Guevara
05
freiheit für Bahare Hedayat!

wer einen kleinen eindruck vom demokratischen bewusstsein und vom einsatz für die menschenrechte der iranischen studentInnen bekommen möchte, kann sich ja diese video-botschaft ansehen:

http://tinyurl.com/yba73n3

die sprecherin Bahare Hedayat, wurde übrigens vor kurzem verhaftet.

Def. Izit
12
Iranische Inquisition


Bei der katholischen Inquisition wurden auch Menschen "im Namen Gottes" gequält und ermordet, die ganz profanen Interessen im Wege standen.

Der iranische Machtkampf wird leider auch "im Namen Gottes" auf einer Schädelstätte ausgetragen.

Jambala Magdalena
93

Wächterrat gehört aufgelöst, die Regierung muss zurücktreten und Neuwahlen ausrufen. Der Iran war nie ein Gottesstaat, die Iraner wollen das auch nicht.
Eine konstitutionelle Monarchie mit dem jungen Schah und wenn dann auch das Militär mitspielt, dann könnte es funktionieren.

DerMitÜ
00

Diese ewiggestrigen Monarchisten, die bei jeder Oppositionsdemo andauernd durch schwachsinnige Störaktionen auffallen, sind ja nicht einmal ansatzweise ernst zu nehmen.

NONE
00

Blödsinn.

Keiner spricht von einer Monarchie.

Schljapnikow der IV
00

bravo. gleich die nächste diktatur!

Freude schöner Götterfunken
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wunschdenken

funktioniert nie. und erst recht nicht, wenn der
"junge Schah" ins spiel gebracht wird.

Ex-Muslim
01

Die letzten 30 Jahre verschlafen?

Der Iran ist beinahe bereit für eine Demokratie-light Version. Wenn die Islamisten aus führenden Positionen vertrieben wurden wäre das ein Anfang. Es würde dauern, aber es wäre wert darauf zu warten und die Iraner selbst machen zu lassen.

Dann hätten wir unsere Ruhe und der Motor der Re-Islamisierung wäre geschwächt, wurde dieser unter anderem auch im Iran gestartet.



Anarchoskinhead
 
10

Na und was ist dann?
Demokartie?
Das ich nicht lache!
Staatlichkeit und Herrschaft, das sind die Probleme.

Ernst Guevara
00
ja stimmt, lieber genosse, staatlichkeit und herrschaft sind die probleme

aber trotzdem ist ein bürgerlich-demokratischer staat einer faschistischen diktatur bei weitem vorzuziehen. es gibt auch bei staaten abstufungen und die qualität der unterdrückung kann sich unterscheiden. und es ist also auch für uns anarchos ein grosser unterschied, ob wir in einer demokratie leben, wo wir - bei aller begrenztheit - zu einem gewissen grad unsere meinung vertreten dürfen und eingeschränkt politisch agitieren können, oder in einer diktatur, zumal ein religiös aufgeladener gottesstaat, wo du als anarchist sofort am nächsten baum augeknüpft wirst. frag die anarchistInnen in iran, welches system ihnen lieber ist, eine bürgerliche demokratie oder eine diktatur wie die gegenwärtige.

pepitant
00
ein bürgerlich-demokratischer staat ?

Also entweder wird ein Staat demokratisch geführt, dann ist der Zusatz "bürgerlich" fehl am Platz, weil Sie dann darunter ohnehin alle Staatsbürger subsummieren, oder er wird vom bürgerlichen Teil der Gesellschaft geführt, welche Gruppen Sie da auch immer hinzuzählen mögen, dann ist er nicht demokratisch.
Dass Mussawi seine lokalen Mehrheiten zu zum Versuch seine Wahlniederlage zu kompensieren benützt, zeugt von großem Machtbewusstsein, möglicherweise kann man ihm noch zugestehen, dass er meine, er und nur er könne etwas verbessern, dass ihm grad Demokratie hingegen nicht wirklich ein Anliegen ist, beweist er mit den initiierten Demos deutlich. Man kann Demokratie nicht auf die Strasse verlegen, weil man eine Wahl verliert.

Ernst Guevara
00
au contraire,

die demokratie der strasse - im sinne von direkter oder basisdemokratie - ist meiner meinung nach eine sehr erstrebenswerte variante der demokratie. mit "bürgerlicher" demokratie meine ich die repräsentative, parlamentarische demokratie, eben im gegensatz zur direkten demokratie.

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