"Populistische" Zukunftsvorsorge

30. Dezember 2009, 17:06
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Die Koalition hat die Zukunftsvorsorge reformiert. Dass nur Produkte mit Kapitalgarantie gefördert werden, stößt in der Finanzbranche weiter auf Kritik

Wien - Die staatlich geförderte Zusatzpension, die sogenannte Zukunftsvorsorge, hat seit ihrer Einführung 2003 viele Anleger enttäuscht. Nicht zuletzt wegen der Börsenkrise im Vorjahr hat die Koalition den verpflichtenden Aktienanteil von 40 auf 30 Prozent gesenkt. Ab dem 45. Lebensjahr sinkt sie sogar auf 25 Prozent, ab dem 55. Lebensjahr auf 15 Prozent.

Der Fondsmanager Martin Mikulik von der Security Kapitalanlage AG, einer Tochter der Grazer Wechselseitigen, hält von der Reform trotzdem nicht viel. Auf Druck von SPÖund Arbeiterkammer wurde nämlich beschlossen, dass die staatliche Förderung (maximal 204 Euro pro Jahr) nur für Produkte mit Kapitalgarantie gewährt wird.

Mikulik im Standard-Gespräch:"Im Schnitt haben unsere Verträge eine Laufzeit von 23 Jahren. Angesichts dieser langen Laufzeit ist eine Kapitalgarantie nicht nur nicht zielführend, sondern sogar kontraproduktiv." Im Schnitt verrechnen die Fondsanbieter nämlich ein Prozent für die Kapitalgarantie. Sein Rechenbeispiel:Spart man 30 Jahre lang 100 Euro monatlich für die Privatpension an, bekommt man am Ende 14.439 Euro weniger Pension (siehe Grafik). Das sei aber sogar noch eine sehr vorsichtige Rechnung.

Denn:Jeder Fondsmanager habe bei einer Kapitalgarantie ein gewisses Risikobudget. Gibt es einen größeren Börseneinbruch - wie etwa 2008 -, sei dieses Risikobudget schnell aufgebraucht. Der Anbieter sei daher gezwungen, für den Rest der Laufzeit in absolut sichere (und daher auch weniger ertragreiche) Anlageklassen zu wechseln.

Gefangen im Produkt

"Das heißt, der Kunde ist für den Rest der Laufzeit in einem Produkt gefangen, das nur wenig Ertrag bringt." Ist beispielsweise nur die Hälfte des Risikobudgets verbraucht, kostet das beim 100-Euro-Ansparplan über 30 Jahre weitere 9000 Euro an Ertrag.

Die Reform sei einfach "populistisch und nicht durchdacht" , sagt Security-KAG-Vorstand Mikulik. "Ich als Produktanbieter kann zwar gutes Geld damit verdienen. Ob Produkte, bei denen mit angezogener Handbremse investiert wird, für den Kunden noch sinnvoll sind, ist aber zu bezweifeln."

Für nicht ganz ausgereift hält er auch die Einführung von drei Altersklassen bei der Zukunftsvorsorge (unter 45 Jahren, bis 55, über 55). Mikulik: Bei Menschen, die noch Jahrzehnte vor der Pension stehen, sei auch durchaus eine höhere Aktienquote als 30 Prozent vertretbar. Dafür sei es zum Schluss unter Umständen sinnvoll, gar keine Aktien mehr zu halten.

Man könne nicht alle Kunden "in einen Topf werfen" . Es brauche fließende Übergänge bei der Aktienquote. Darauf gelte es auch bei der anstehenden Reform der Pensionskassen zu achten, fordert der Fondsmanager.(Günther Oswald, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 31.12.2009)

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