Folgen der Lichtverschmutzung jenseits der Astronomie

01. Jänner 2010 17:07

Forschungsverbund "Verlust der Nacht": Deutsche Wissenschafter für interdisziplinären Ansatz

Berlin - "Lichtverschmutzung" als Nemesis der Astronomie, die die alten städtischen Observatorien nahezu obsolet gemacht hat, steht seit Jahren in der Diskussion; verschiedenste Initiativen haben sich zum Ziel gesetzt, das Übermaß an künstlicher Beleuchtung vor allem in unseren Städten zu reduzieren. Doch ist die Astronomie nicht die einzige Leidtragende: Wissenschafter der Leibniz-Gemeinschaft fordern daher eine umfassendere Erforschung der Auswirkungen von künstlichem Licht auf Mensch und Umwelt. "Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass die zunehmende Beleuchtung nicht nur positive Effekte wie eine erhöhte Sicherheit oder bessere Produktionsbedingungen für die Wirtschaft bringt, sondern auch negative Auswirkungen etwa auf die Ökologie hat", sagt der Sprecher des Leibniz-Forschungsverbundes "Verlust der Nacht" und Direktor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Klement Tockner.

Wissenschafter verschiedenster Disziplinen aus sieben Instituten der Leibniz-Gemeinschaft sowie der Technischen Universität und der Freien Universität Berlin haben sich zum Forschungsverbund "Verlust der Nacht" zusammengeschlossen. Der Verbund ist der erste Disziplinen übergreifende Versuch, die ökologischen, gesundheitlichen sowie kulturellen und sozioökonomischen Auswirkungen, aber auch die Ursachen für die zunehmende Beleuchtung der Nacht zu untersuchen, die nach Angaben der Leibniz-Gemeinschaft jährlich um fünf bis sechs Prozent ansteigt. Eine erste Bestandsaufnahme hat der Verbund in der Schriftenreihe "Zwischenruf" vorgelegt.

Forschungsgebiete

Im Bereich der Medizin und Lebenswissenschaften geht es etwa um die Bedeutung des Lichts als biologischer "Taktgeber" für Lebewesen- Studien zufolge wird bei Schichtarbeit unter Kunstlicht der Hormonhaushalt gestört, was gesundheitliche Beeinträchtigungen bis hin zu einem höheren Brustkrebsrisiko nach sich ziehen kann. In der Ökologie sind die Auswirkungen des millionenfachen Todes von Insekten (etwa an Straßenlaternen) auf Ökosysteme nur gering erforscht, wie zum Beispiel durch den Verlust von Insekten als Nahrung für andere Organismen oder auch als Bestäuber von Pflanzen. Bei Lichteinwirkungen auf Gewässer oder bei Vogelwanderungen lassen sich ebenfalls Auswirkungen durch künstliches Licht beobachten, ohne dass die genauen Umstände bisher näher untersucht sind.

Im technischen Bereich sehen die Wissenschaftler bei einer Reihe möglicher Maßnahmen Handlungsbedarf, wie etwa bei der Entwicklung moderner Beleuchtungssysteme, die bezogen auf Lichtspektrum sowie auf Lichtdosierung und -fokussierung optimiert sein sollten, und gleichzeitig etwa durch Dimmbarkeit und eine höhere Energieeffizienz positive Effekte für Natur- und Klimaschutz bringen. Aus der Bestandsaufnahme geht hervor, dass mögliche zukünftige Richtlinien - z.B. Rahmenbedingungen und Regelwerke für Raum- und Bauplanungen - gemeinsam von Ökologen, Medizinern, Ingenieuren und Sozialwissenschaftlern entwickelt werden sollten. (red)

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17 Postings
porteño1
02.01.2010 22:52

Man kann unterschiedlicher Meinung sein, ob die jeweilige Menge an künstlichem Licht ausreichend oder übertrieben ist. Faktum ist jedenfalls, daß ein beträchtlicher Teil ausschließlich dem Zweck dient, den Konsum zu stimulieren (Schaufensterbeleuchtung, insbesondere Weihnachtsbeleuchtung, udgl), und wenn man bedenkt, daß das künstliche Licht an sich unnatürlich und schädlich für die Umwelt ist, sollte sich der Verbrauch auf das Unvermeidliche beschränken.

Zophopas
06.01.2010 18:07
Ich kann Ihrer Meinung nur zustimmen...

...und wenn man bedenkt, was sich da an Energie einsparen ließe. Mit besser durchdachter, sparsamerer Beleuchtung, könnten also mehrere Arten der Verschmutzung (CO2, Licht, Werbung,...) maßgeblich eingedämmt werden. Nur schade, dass die Realität ganz anders ausschaut

FSK
02.01.2010 14:39

besonders schwachsinnig: Beleuchtung, die im Boden eingelasen nach oben strahlt.

Robert Luger
02.01.2010 11:13
Ich versteh nicht warum der Mensch noch über der Erde lebt

Was wäre der Vorteil von einer Siedlung unter der Erde?
Platz für Natur, unabhängig vom Wetter (okay, für Erdbebengebiete vielleicht nicht so günstig), keine Beeinträchtigung der Tierwelt usw.
Wo ist das Problem? Oh ja, das Geld. Aber wenn genug Maschinen und Material da sind, wieso lässt man sich von etwas wie Geld davon abhalten etwas großes für die Umwelt zu tun?

ChesneyB
02.01.2010 11:42

Na dann: ab unter die Erde mit Ihnen! :-)

Also ich will das nicht - ich würde das Sonnenlicht, das tagsüber durch die Fenster kommt, vermissen. Ich glaube auch nicht, daß das so gesund wäre.

Robert Luger
02.01.2010 16:56

Was bringt mir Sonnenlicht das in meine Wohnung scheint wenn ich draußen nur Beton sehe, da ziehe ich pure Natur ganz in der Nähe dem vor
Vielleicht wären dann einige Menschen dann gewillt öfters ihre Räumlichkeiten zu verlassen (wie z.B. ich :p)

Andreas Schmidt
01.01.2010 20:06
Der Wappler sieht die Nina

Hauptsache der Wappler sieht das Auge der Nina

Bombayflüchtling
01.01.2010 19:13

Das wird der gesellschaftliche (und gelenkte?) Trend der Dekade: Dem Menschen wird eingetrichtert, er sei böse, schädlich und wertlos, denn mit allem, was er tut, richtet er etwas an. Das Einzige, was ihn noch retten kann: Passiv sein, sich schämen und möglichst in der Herde das nachvollziehen, was man ihm als planetennützlich vorgibt. Der nichtrauchende, fahrradfahrende, bescheiden lebende und arbeitsame Bürger als hochgelobter Held der Zukunft, in allem rational und weder sich selbst noch andere beeinträchtigend. Blök, blök!

Wötmasta
03.01.2010 10:50
Ja genau,

die "Krone der Schöpfung" macht alles richtig, is ja auch gottgewollt...... Speib, Kotz, Würg

MondXicht
01.01.2010 22:31

Man sollte die Menschen ja lieber einreden alles was er tut ist gut

Bombayflüchtling
02.01.2010 12:28

Bravo, auch schon aufs binäre Denken konditioniert, nur mehr entweder/oder, keine Nuancen mehr akzeptieren. Die Bequemlichkeit des Denkenlassens - man muss sich nur mehr verhalten.

Das Fatale an der ganzen Geschichte ist, dass die Verdummung von links, der Mitte und rechts passiert, von rechts mit Kalkül, von links in falsch verstandener guter Absicht, aus der Mitte aus einem pervertierten burgeoisen Moralbegriff. Und man braucht auch nicht viel drüber nachdenken, man ist ja konform und daher auf der sicheren Seite.

Ich gewöhne mir mein Denken nicht ab, und meine Widersprüchlichkeiten auch nicht. Ich lebe, damit tue ich Gutes und schade. Ersteres gerne und forciert, zweiteres nolens volens. So ist das nun mal...

Allmächtiger Satan
02.01.2010 15:02

Sie bilden Sich ja bloß ein, klüger als der Rest zu sein. Warum das also in Scheinargumente verpacken, sagen Sie es doch gerade raus.

Bombayflüchtling
02.01.2010 17:26

Ich bilde mir gar nichts ein - und ich sage auch nicht anderen, was sie sich einbilden. Das tun nur jene, die einer selbstgefälligen Hybris verfallen sind.

Kommen Sie mir also bitte nicht mit persönlichen Anflügen, sondern mit Argumenten, über die man diskutieren kann.

Allmächtiger Satan
02.01.2010 18:55

Und jetzt bilden Sie sich ein, dass ich mit Ihnen diskutieren würde.

Bombayflüchtling
02.01.2010 19:34

Wenn Sie eine Aufforderung mit einer Einbildung verwechseln, machte es ohnehin wenig Sinn.

Schönen Tag noch.

EquinoxOmega
01.01.2010 17:20
"nicht nur positive Effekte wie eine erhöhte Sicherheit"

dies ist eine der größten Lügen: stell dich einmal unter eine Lampe und versuche zu erkennen ob jemand im Gebüsch außerhalb des Lichtkegels sitzt. Übermäßige Beleuchtung erhöht zwar das Sicherheitsgefühl, aber nicht zwingend die Sicherheit. Durch die nicht eintretende Dunkeladaption kann man nichts erkennen, was außerhalb des grell beleuchteden Bereichs in der Ecke sitzt. Jedoch sieht man von dort sehr wohl gut was sich im Licht tut.

Shanajio
02.01.2010 11:39

Der Sinn und Zweck von Beleuchtung ist ja der, dass man im beleuchteten Bereich die Tat besser sieht, somit können potentielle Zeugen Hilfe holen bzw. Hinweise zum Täter geben.

Wenn der Täter sich das auch so denkt, und dann doch nicht zur Tat schreitet, hat das ganze eine präventive Wirkung.

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