Bürgerinitiative gegen Aufnahmezentrum formiert sich

30. Dezember 2009 15:46

Überparteiliche Gruppierung stellt sich den Bürgern bei Veranstaltung vor - Volksbefragung und Stopp des Projekts als Ziele

Eisenstadt - Während in der Diskussion rund um das geplante Asyl-Erstaufnahmezentrum in Eberau bisher vor allem parteipolitisch die Wellen hochgingen, formiert sich unter den Gemeindebürgern selbst Widerstand gegen das Projekt. Eine überparteiliche Bürgerinitiative hat für heute, Mittwochabend, die Bewohner des südburgenländischen Ortes zu einem Treffen eingeladen. Dabei will man über die weitere Vorgangsweise beraten.

"Wir werden über unsere Situation reden, wie es einem jeden geht, und wir werden versuchen, zu schauen, was wir in weiterer Folge unternehmen können, um dieses Projekt zu verhindern", so ein Mitglied der Bürgerinitiative. Die Eberauer Bürger seien persönlich durch Mitarbeiter der Initiative eingeladen worden.

Mehrheit der Anrainer dagegen

Zusätzlich gebe es auch eine Unterschriftenliste, auf der man sich eintragen könne. Die Menschen, die man in ihren Häusern angetroffen habe, hätten sich "zu 90 Prozent gegen das Erstaufnahmezentrum ausgesprochen." Die Bürgerinitiative will nun erwirken, dass es in Eberau zu einer Volksbefragung kommt. Man hoffe auch, dass die Innenministerin das Ergebnis zur Kenntnis nehme und - wenn die Befragung für das Projekt negativ ausgehe - davon Abstand nehme, das Aufnahmezentrum in Eberau zu errichten.

Bei der Bürgerinitiative machen derzeit nach deren Angaben rund 30 Bürger aus Eberau und den Ortsteilen Gaas, Kroatisch Ehrensdorf, Kulm und Winten mit. Kritik gibt es an der Darstellung von Eberau in der bisherigen Diskussion mit einer Einwohnerzahl von knapp 1.000. Dies sei allerdings die Gesamtbevölkerung. Die vom Erstaufnahmezentrum direkt betroffenen Ortsteile Eberau und Kulm hätten jedoch insgesamt nur rund 500 Einwohner. Geplant sei die Unterbringung von 300 Asylwerbern: "Unser ganzes Leben wird dadurch verändert. Das ist das, was wir in der Form nicht möchten", heißt es von der Bürgerinitiative.

Ein statistischer Vergleich soll auf die Situation hinweisen, mit der man bei einer Umsetzung der Pläne in Eberau konfrontiert sei. In Traiskirchen kämen auf rund 17.000 Einwohner 800 Asylwerber, das wären 4,7 Prozent. Im oberösterreichischen Thalham liege der verhältnismäßige Anteil bei etwa 3,3 Prozent. In Eberau und Kulm würde der Anteil rund 60 Prozent ausmachen. "Das ist eine starke Diskrepanz. Aus den Zahlen geht hervor, wie hoch die Belastung für jeden einzelnen sein würde."

Die von den Bürgern gewünschte Volksbefragung dürfte morgen, Donnerstag, in einer Gemeinderatssitzung auf Schiene gebracht werden: Stimmt der Gemeinderat einem Antrag auf Abhaltung einer Befragung zu, dann sei noch eine weitere Sitzung - womöglich am 8. Jänner - erforderlich, um die Volksbefragung durchführen zu können, so ÖVP-Bürgermeister Walter Strobl. (APA)

 

Mind |
02.01.2010 12:39

Ein weiteres Zahlenspiel:
Würde das Burgenland zusätzliche 300 Asylanten dazu bekommen, hätte es die Quote übererfüllt - statt den geforderten 755 wären es dann 672+300 = 972 ..fast 30% mehr als per 15a-Vereinbarung.

Da gibt es Bundesländer die mit 300 zusätzlichen noch immer nicht ihre Quote erfüllen - warum nicht diese in die Pflicht nehmen und im Burgenland entweder ein Zentrum mit 60-70 Asylanten planen oder Asylanten in kleinen betreuten WG's in 10-15 größeren Gemeinden unterbringen?

Sponge Bob
02.01.2010 07:58
die da bei der Bürgerinitiative mitmachen,

sind doch nur dumme "Kronenzeitungsleser".
Der gebildete, weltoffene Standardleser würde da niemals mitmachen!

branca rosic
 
05.01.2010 16:39

Ich glaube sie mißverstehen da etwas. Der weltoffene Standardleser und auch die gebildete Standardleserin, können es durchaus verstehen, dass sich 500 Menschen mit 300 schlagartig neu Hinzukommenden nicht leicht anfreunden werden können. Die Idee des Traiskirchner BGM, viele kleine Aufnahmezentren für Neuankömmlinge zu errichten, und zwar 1 % der Bevölkerungsgröße. Das wären für Traiskirchen ca. 200, für Eberau 5! Das ist doch zu verkraften?

rebstah
 
03.01.2010 18:08

Auch wenn du es sarkastisch meinst: Kronenzeitungsleser sind nicht nur dumm, die sind abartig dumm!

invodaseibua
04.01.2010 19:45

immerhin 20% der akademiker lesen regelmäßig die krone

;)

rebstah
 
05.01.2010 10:57

Akademiker zu sein bedeutet ja nicht, dass man nicht dumm ist..

Andreas Hemmer
31.12.2009 11:28
Berichtigung der Einwohnerzahl in Traiskirchen

Die in dem Artikel angegebene Einwohnerzahl dntspricht der Gesamtbevölkerung der Stadtgemeinde Traiskirchen. Die Stadtgemeinde besteht aus 5 Katastralgemeinden. Der Ortsteil Traiskirchen ist nur einer davon und hat lt. Stand vom 31.12.2008 6.083 (Quelle: traiskirchen.gv.at) Einwohner somit ergibt sich ca. 7,6% und nicht 4,7%. Dieser trägt auch die Hauptlast der Flüchtlinge!!
Nichts desto Trotz ist aber eine vorgehensweise wie in Eberau nicht akzeptabel. Aber wenn ich immer wieder von einer Störung des Tourismus und der Wirtschaft durch die Asylsuchenden höre, stelle ich hier berechtigterweise die Frage ob wir in Traiskirchen kein Recht auf Tourismus und Wirtschaft haben?

cato48
31.12.2009 01:22
Ich verstehe nicht,...

...warum man dieses Erstaufnahmezentrum nicht in einer unbenützten Kaserne unterbringen kann. Die Infrastruktur würde jedenfalls stimmen und der verkauf ungenützter Kasernen ist scheinbar gar nicht so einfach

Was für unsere Soldaten durchaus zumutbar ist, müsste doch auch für andere Menschen ausreichend sein.

Ich denke da an Oberösterreich, nicht weit weg von den Schottergruben der Innenministerin ;-)

Oder in Kärnten, als Wiedergutmachung für die Hyporettung!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.