Rowland S. Howard 1959–2009

30. Dezember 2009, 15:42
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Zum Tod des australischen Musikers und Wegbegleiters von Nick Cave

Wien - Hager bis unterernährt, eine Zigarette im Mundwinkel, den Oberkörper über die Gitarre gebeugt und seine Vogelnestfrisur zur Musik bewegend - so kannte man Rowland S. Howard auf der Bühne. Ein Anzug, natürlich schwarz, und seine charakteristische Hakennase ergaben ein Bild, für das weniger gewogene wohl das Wort Vogelscheuche strapaziert hätten. Als solche spielte Rowland S. Howard für einige der wichtigsten australischen Bands seit den späten 1970er-Jahren.

Der am 24. Oktober 1959 in Melbourne geborene Gitarrist begegnete in den 1970ern Nick Cave und formierte zusammen mit diesem, Mick Harvey und Phill Calvert die Band Boys Next Door, für die er unter anderem die Gänsehautballade Shivers beisteuerte.

Nach zwei Alben entstand daraus The Birthday Party, jene wegbereitende Blues-Punk-Band, nach deren Auflösung Nick Cave seine bis heute anhaltende Solokarriere mit den Bad Seeds begann. Rowland S. Howard blieb lange ein Trabant dieser großfamiliären Szene und gründete zusammen mit Mick Harvey und Sänger Simon Bonney erst die Formation Crime And The City Solution, später stand er der Band These Immortal Souls auch als Sänger vor.

Doch sein Markenzeichen war nicht sein leicht nasaler Vortrag, sondern sein Gitarrenspiel, mit dem er vielen Songs seinen Stempel aufdrückte. Man höre nur seine wie ein Schneidbrenner klingende Slide-Gitarre in dem Birthday-Party-Song She's Hit! Das machte Howard zur kultisch verehrten Ausnahmeerscheinung, der ein kommerzieller Erfolg jedoch weitgehend verwehrt blieb.

Zwar kollaborierte er mit einer Reihe erlesener Underground-Größen wie Henry Rollins, den Einstürzenden Neubauten, Jeffrey Lee Pierce vom Gun Club oder Nikki Sudden, doch mehr als Anerkennungserfolge in der ohnehin geneigten Fangemeinde waren das nicht. Kurz sah es so aus, als könnte aus seiner Zusammenarbeit mit der New Yorker Femme fatale des Post Punk, mit Lydia Lunch, ein neues Dream-Team des Undergrounds entstehen, doch trotz tollen Resultaten wie dem gemeinsam Album Shotgun Wedding wurde daraus nichts. Immer wieder kam ihm die Drogenabhängigkeit dazwischen, auch der kämpferische Titel seines zweiten These-Immortal-Souls-Albums I'm Never Gonna Die Again (1992) änderte daran nichts.

2007 erschien eine Doppel-CD als Tribute und finanzielle Unterstützung für den kranken Musiker. Freunde wie Mick Harvey (Bad Seeds) oder Tex Perkins von der Band Beasts Of Bourbon erzählten in Gesprächen vom sich verschlimmernden Gesundheitszustand Howards.

Heuer erschien mit Pop Crimes sein letztes Album. Am 30. Dezember ist Rowland S. Howard einem Leberkrebsleiden erlegen. Er wurde 50 Jahre alt. (Karl Fluch / DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2009/1.1.2010)

 

  • Rowland S. Howard erlag 50-jährig einem Krebsleiden
    foto: rsh/simon schluter

    Rowland S. Howard erlag 50-jährig einem Krebsleiden

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