London ließ gestürzten Schah im Stich

30. Dezember 2009, 14:50
42 Postings

Nationalarchiv gibt Dokumente aus der Zeit der Islamischen Revolution von 1979 frei

London - Großbritannien hat Mohammad Reza Pahlavi, dem 1979 vom Pfauenthron gestürzten Schah von Persien, nach der Islamischen Revolution  die Aufnahme verweigert; das damit verbundene Sicherheitsrisiko wurde für zu groß gehalten. Nach jahrzehntelanger Geheimhaltung freigegebene britische Regierungsakten offenbaren außerdem, dass es sich London seinerzeit mit den neuen Machthabern im Iran nicht verscherzen wollte. Das Nationalarchiv in London gab die entsprechende Akten am Mittwoch frei. Grundlage dafür ist ein Gesetz, das die Veröffentlichung geheimer Dokumente nach 30 Jahren ermöglicht.

Ein Brief von der Downing Street an das britische Außenministerium belegt, dass der freie Journalist und Schah-Vertraute Alan Hart Anfang Februar 1979 Kontakt zum Amt des britischen Premierministers aufnahm, um diesem den Wunsch von Reza Pahlavi zu übermitteln, seine luxuriöse Residenz im Londoner Stadtteil Surrey zu beziehen. Ein ranghoher Beamter des Foreign Office antwortete, falls der gestürzte Monarch in London Quartier beziehe, werde das - abgesehen von dem "enormen Sicherheitsproblem" - gespannte Beziehungen zur neuen iranischen Regierung zur Folge haben. Der damalige Labour-Premier James Callaghan schloss sich dieser Sicht an, wie er in Notizen vom 19. Februar 1979 festhielt.

Callaghans konservative Nachfolgerin Margaret Thatcher, die ihr Amt wenige Monate später antrat, machte (einem Dokument vom 14. Mai zufolge) keinen Hehl aus ihrer Kritik an der Entscheidung, dem Schah - einem "standhaften und hilfreichen Freund des Vereinigten Königreichs" - kein Asyl zu gewähren; nachträglich aufgenomme wurde er dennoch nicht. Den Schah verschlug es schließlich in die USA, wo er sich einer Krebsbehandlung unterzog. Er starb 1980 in Kairo. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Archivbild Reza Pahlavis kurz vor seinem Sturz

Share if you care.