Ex-Minister sieht Westen noch zehn Jahre im Land

30. Dezember 2009, 09:03
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Farhang fordert koordinierteres Vorgehen - "Taliban können nicht allein mit Waffen bekämpft werden"

Berlin - Der Abzug der internationalen Truppen wird nach Ansicht des afghanischen Ex-Handelsministers Mohammed Amin Farhang frühestens in zehn Jahren abgeschlossen sein. Damit Afghanistan dann aus "eigener Kraft" existieren könne, müssten die Regierung von Präsident Hamid Karzai und die internationale Gemeinschaft viel koordinierter vorgehen, forderte Farhang in einem AFP-Gespräch. "Wir müssen alle an einem Strang ziehen und nicht nur Einzelaspekte verfolgen", fügte er mit Blick auf die internationale Afghanistan-Konferenz Ende Jänner in London hinzu.

Die Taliban könnten nicht allein mit Waffen bekämpft werden, sagte Farhang. Wenn es den Afghanen wirtschaftlich besser ginge, wären die Gotteskrieger "bald isoliert". "Die meisten Afghanen wollen die Taliban nicht, sie kooperieren jedoch mit ihnen, weil sie von den afghanischen und internationalen Sicherheitskräften nicht ausreichend geschützt werden."

Bessere Ausbildung gefordert

Der Ex-Minister forderte deshalb, die Ausbildung von afghanischen Soldaten und Polizisten "qualitativ und quantitativ" vorzutreiben. "Die Weltgemeinschaft hat das bisher nicht wirklich ernstgenommen". Die Afghanen wollten ihr Land "möglichst schnell" selbst verteidigen. "Dann können wir auch Europa vor den Terroristen und den Taliban schützen."

Auch die afghanische Wirtschaft müsse gestärkt und mehr Arbeitsplätze müssten geschaffen werden. "Wir haben, um nur ein Beispiel zu nennen, das beste Obst in der Region". Es müssten Handelswege nach Europa und die USA eröffnet werden, forderte der ehemalige Handelsminister.

Gleichzeitig sprach sich der 69-Jährige dafür aus, die Korruption zu bekämpfen. Sie sei nicht nur ein afghanisches Phänomen, sondern "im hohem Maße" auch bei den Geberländern vorhanden. "Es werden immer wieder Verträge ohne Ausschreibungen vergeben und Schmiergelder gezahlt", sagte Farhang. (APA/AFP)

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