Al-Kaida-Pläne für "Weihnachtsüberraschung" waren bekannt

31. Dezember 2009, 08:44
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Obama spricht von "katastrophalen" Sicherheitsmängeln - US-Geheimdienstkoordinator unter Druck

Washington - Knapp eine Woche nach dem vereitelten Anschlag auf ein US-Verkehrsflugzeug soll US-Präsident Barack Obama heute (Donnerstag) einen Bericht über die im Vorfeld der Tat vorliegenden Geheimdiensterkenntnisse erhalten. Wie die "New York Times" am Mittwoch berichtete, sei es US-Agenten schon lange vor der missglückten Attacke bekanntgewesen, dass ein Nigerianer im Jemen auf einen Anschlag vorbereitet werde.

Entsprechende Diskussionen von Al-Kaida-Führern im Jemen habe die auf die Kommunikationsüberwachung spezialisierte NSA schon vor vier Monaten abgefangen. Allerdings sei es versäumt worden, dies mit anderen Informationen - insbesondere den Warnungen des Vaters des späteren Attentäters - abzugleichen, hieß es. Obama hatte den Sicherheitsbehörden schwere Fehler vorgeworfen.

Die Ergebnisse der NSA-Abhöraktion seien übersetzt und auch innerhalb des Geheimdienstnetzwerks weitergegeben worden, berichtete die "New York Times" weiter. Experten im Nationalen Anti- Terrorzentrum in Washington hätten die Informationen dann aber nicht mit den Warnungen des Vaters von Umar Farouk Abdulmutallab in Verbindung gebracht, der Mitte November in der US-Botschaft in Nigeria vor der Radikalisierung seines Sohnes durch Islamisten gewarnt hatte. Sein 23-jähriger Sohn hatte am ersten Weihnachtsfeiertag versucht, in einem voll besetzten Airbus der US-Gesellschaft Delta kurz vor der Landung in Detroit einen in seiner Unterhose versteckten Sprengsatz zu zünden, war dabei aber von anderen Passagieren überwältigt worden.

Vater des Attentäters nicht ernst genommen

Der Vater habe die US-Behörden auch eindeutig vor "der Sicherheitsbedrohung" gewarnt, die sein Sohn darstelle, heißt es in dem Zeitungsbericht unter Berufung auf einen Cousin des Täters. "Sie haben ihm zugesagt, sich darum zu kümmern. Aber sie haben ihn nicht ernst genommen." In Regierungskreisen werde vor allem das Nationale Anti-Terrorzentrum in Washington, das drei Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zur besseren Auswertung und Einschätzung der Terror-Erkenntnisse der verschiedenen US-Geheimdienste geschaffen worden war, für die Versäumnisse verantwortlich gemacht.

Obama hatte den eigenen Behörden eine schwere Rüge erteilt: Es habe im Vorfeld des vereitelten Anschlags verheerende Fehler und Lücken im US-Sicherheitssystem gegeben. Der Attentäter hätte niemals ein US-Flugzeug besteigen dürfen, sagte der Präsident am Dienstag (Ortszeit) an seinem Urlaubsort auf Hawaii. Es seien Warnungen übersehen worden. Obama sprach von "potenziell katastrophalen" Mängeln im Sicherheitssystem und forderte personelle Konsequenzen.

 Die regionale Al-Kaida-Organisation im Jemen hat sich zu dem Attentat bekannt und mit weiteren Terrorakten gedroht. Auch das Weiße Haus geht inzwischen immer mehr von einer "gewissen Verbindung" des Täters zur Al Kaida aus. Nach US-Medienberichten bereiten die USA bereits Militärschläge gegen die Terroristen im Jemen vor, falls Obama einen Vergeltungsschlag befehlen sollte.

US-Geheimdienstkoordinator unter Druck

US-Geheimdienstkoordinator Dennis Blair gerät zunehmend in die Schusslinie der Kritik. In Washington wurde am Mittwoch spekuliert, der für die Zusammenarbeit der 16 US-Geheimdienste zuständige Blair könnte wegen Versäumnissen im Vorfeld des Vorfalls zurücktreten müssen. Ein hochrangiger Mitarbeiter sagte, Obama werde die Verantwortung für die Versäumnisse auf höchster Ebene suchen. Dies verstanden einige Beobachter als Ankündigung personeller Konsequenzen. Das Präsidialamt stellte sich jedoch öffentlich hinter Blair und erklärte, dieser habe das volle Vertrauen des Präsidenten.

Massiv in der Kritik der oppositionellen Republikaner und der Medien steht auch Heimatschutzministerin Janet Napolitano. Sie hattte nach dem Anschlagsversuch zunächst erklärt, die Luftsicherheitsvorkehrungen hätten funktioniert. (APA/Reuters)

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    Obama, Barack.

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    Passagierin, verunsichert.

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