Deutscher auf Tiroler Skipiste verhaftet

30. Dezember 2009, 15:56
26 Postings

Soll in 80er Jahren Chemikalien zur Herstellung von Kampfgas in den Iran geliefert haben

Innsbruck - Ein deutscher Terrorverdächtiger ist beim Einchecken in ein Hotel in Hall in Tirol von vier Beamten des Landes- und des Bundeskriminalamtes festgenommen worden. "Eine jahrelange Suche nach dem unter mindestens sechs Alias-Namen bekannten Mann aus Brünn hat damit ein Ende", so der Leiter der Zielfahndung des Bundeskriminalamtes, Helmut Reinmüller. Über seine Auslieferung nach Amerika soll am Nachmittag entschieden werden.

1988/89 habe der 1942 Geborene in drei Lieferungen insgesamt 115 Tonnen Chemikalien Thiodiglycol, die zur Herstellung des Kampfstoffes Senfgas benötigt werden, von Baltimore (USA) aus Richtung Griechenland und Singapur geliefert. Bei der zweiten Lieferung sei der Zoll aufmerksam geworden und habe den Stoff aus den 450 Fässern entnommen, diese mit Wasser aufgefüllt und deren Weg nach Singapur, dann aber weiter über Pakistan in den Iran verfolgt, schildert Oberstleutnant Reinmüller. Daraufhin sei ein Haftbefehl erlassen und der Mann festgenommen worden. Vor einem amerikanischen Gericht habe sich der Waffenschmuggler schuldig bekannt, sei dann aber vor dem Schuldspruch mit dem nächsten Flugzeug aus Amerika zurück nach Deutschland geflohen.

1994 sei er dann bei einer Hotelkontrolle in Zagreb festgenommen worden und vier Monate in Kroatien in Haft gewesen. "Da die Auslieferungsbestimmungen für den Obersten Gerichtshof von Zagreb nicht gültig waren, wurde er 1995 im Februar wieder entlassen", sagte Reinmüller. Mit verschiedenen Pässen und unter mindestens sechs Alias-Namen sei er die nächsten Jahre durch Europa und nach Übersee gereist. Auch in Deutschland habe er sich viel aufgehalten, doch die deutschen Behörden konnten ihn wegen des verfassungsrechtlichen Schutzes für eigene Staatsangehörige vor einer Auslieferung nicht festnehmen.

Durch die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Behörden, vor allem dem ICE, einer Untergruppe der amerikanischen Zollfahndung, konnte ermittelt werden, dass der Verdächtige unter falschem Namen einen Skiurlaub in Hall plane. "Uns ist der Alias-Name bei der Reservierung aufgefallen", sagte Reinmüller. Beim Einchecken wurde der Mann am Montag gegen 14.00 Uhr in der Lobby des Vier-Sterne-Hotels festgenommen. Die Amtshandlung sei sehr gesittet und ruhig vonstattengegangen, schilderte ein Hotelmitarbeiter. Der Mann sei mit Frau und einem Kind unterwegs gewesen. "Anscheinend haben die Beamten ihn schon seit der Grenze verfolgt", sagte er.

"Es waren keine FBI-Beamten in Österreich. Wir haben international zusammengearbeitet, wobei Interpol als Drehscheibe fungiert hat", sagte Christoph Hundertpfund vom Landeskriminalamt. Derzeit sei der Mann in der Justizanstalt Innsbruck. "Bei uns ist ein Auslieferungsantrag der amerikanischen Behörden eingegangen. Wir haben ein Auslieferungsverfahren eingeleitet und die Auslieferungshaft beantragt", teilte Wilfried Siegele, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, mit. Eine Richterin werde darüber noch am Mittwochnachmittag entscheiden. (APA)

Share if you care.