Österreichs Wein – weniger ist mehr

30. Dezember 2009, 17:27
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Die Österreicher tranken im Jahr 2009 mehr Wein zu Hause und weniger in Gaststätten

Wien - Weintrinker greifen öfter als früher ins Supermarktregal, um sich eine Flasche mit nach Hause zu nehmen. Die Gastronomie, der wichtigste Absatzmarkt für österreichischen Wein, leidet.

Das Ergebnis der österreichischen Weinwirtschaft für 2009 bezeichnet Willi Klinger, Chef der Österreich Wein Marketing (ÖWM), bei der Jahrespressekonferenz dennoch als erfreulich. Die Strategie, verstärkt auf den Lebensmittelhandel als Absatzschiene zu setzen, ging für die heimische Weinindustrie selbst in Zeiten des Sparens auf. Seit dem Jahr 2000 stiegen die Marktanteile von heimischem Wein in den Supermarktregalen um 14,2 Prozent auf 65,2 Prozent mengenmäßig gesehen. Umgerechnet auf Wert entspricht das einem Zuwachs um 27,3 Prozent.

Neue Verkaufsschienen

Seit einige namhafte Produzenten ihre verarbeiteten Mengen steigerten und Zweit- und Drittmarken etablierten, mussten sie sich neue Verkaufsschienen erschließen. Änderungen gab es auch im Gefüge der Verkaufspreise in den Märkten. Der Lebensmittelhandel erkannte, wenn auch spät, dass hierzulande Supermarkt- und selbst Diskontmarkt-Kunden durchaus bereit sind, für hochwertige Weine mehr als die üblichen zwei bis drei Euro pro Flasche zu bezahlen. Das kommt dem österreichischen Wein entgegen, der aufgrund der hohen Produktionskosten nicht mitspielen kann, wenn große Mengen billigst produzierter Weine umgesetzt werden. Rewe-Billa, danach auch der Spar-Gruppe und Merkur gelang es, auch über den Imageträger Wein ein kaufkräftigeres Publikum anzuziehen. Als Wegbereiter dieser Entwicklungen bezeichnet Klinger Wein & Co, die durch den neuen Verkaufsstil in den 90ern bis heute ein Wein-Publikum "erziehen" , das den Wert einer guten Flasche schätzen könne.

Keine Überschüsse

In Österreich werden im Gegensatz zu anderen Weinländern wie Frankreich oder Spanien keine Überschüsse produziert. Ausnahme war der Jahrgang 2008, der aufgrund der feuchten Witterung die Rekordmenge von fast drei Mio. Hektoliter (hl) brachte. "Das war zu viel" , resümierte Josef Pleil, Präsident des Weinbauverbandes. Die Erntemenge des Jahrgangs 2009 werde mit rund 2,1 Mio. hl dagegen extrem niedrig ausfallen. Die Preise blieben jedoch aufgrund des Vorjahresüberschusses stabil.

Im Export wird das hohe Niveau der letzten Jahre gehalten. Mengenmäßig ergab sich ein Plus von 8,3 Prozent, wertmäßig ein leichtes Minus von 0,8 Prozent. Steigerungen, gut in der Menge und geringer im Wert, gab es in Deutschland und der Schweiz, einem wichtigen Weinmarkt mit hoher Wertschöpfung, einen Einbruch in den USA. Pro Flasche Wein wird aber nicht nur dort weniger ausgegeben. Laut Jahresbericht der US-Weinindustrie sanken die Verkäufe im Fine-Wine-Bereich ab 20 US-Dollar (knapp 14 €) pro Flasche in der ersten Hälfte 2009 um 11 Prozent. (Luzia Schrampf, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 31.12.2009)

 

 

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