Taiwan lässt Fonds aus China ins Land

29. Dezember 2009, 18:23
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Bis zu 20 Milliarden dürfen Chine­sen in Taiwan künftig veranlagen. Rund 30 Prozent der Taiwaner lehnen das Handelsabkommen ab

Peking/Taipeh - Staatlich anerkannte institutionelle Investoren aus China sollen künftig bis zu 30 Mrd. US-Dollar (20 Mrd. Euro) in Aktien an der Börse in Taiwan investieren können. Das hat am Montag Sean Chen, Chef der taiwanischen Finanzaufsicht, angekündigt. Die Vereinbarungen für die finanzielle Kooperation zwischen den chinesischen Teilstaaten tritt am 16. Jänner in Kraft.

Die Höhe des Volumens ist überraschend, ist die Obergrenze doch 30 mal höher als bisher angenommen. Chinas Regierung hat laut Chen für Investitionen in Taiwan die bisher angekündigte Beschränkung auf zehn Prozent des Fondsvermögens von zehn Milliarden US-Dollars aufgehoben.

Segen für den Aktienmarkt

Für den Aktienmarkt könnte der mögliche Kapitalfluss aus der kommunistisch regierten Volksrepublik Chinas in die kapitalistisch regierte Republik Taiwan mittel- und langfristig ein Segen sein, meinen Experten. Besonders große Elektronikhersteller dürften profitieren, da sie wahrscheinlich das erste Ziel renditehungriger chinesischer Investmentfonds darstellen.

Damit trägt die Annäherungspolitik der seit Mai 2008 amtierenden konservativen Regierung Taiwans an China unerwartet reiche Früchte. Im Juni hatte Taiwans Regierung chinesischen Unternehmen gestattet, in ausgewählte Sektoren zu investieren. Überdies verhandelten beide Seiten eine Rahmenvereinbarung für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Taiwans Regierung hofft, das Handelsabkommen trotz jüngsten Rückschlägen bis Juni abschließen zu können.

Erste chinesische Unternehmen, wie der Mobilnetzbetreiber China Mobile und Chinas größter Werftkonzern China Shipbuilding, wollen die neugewonnenen Freiheiten bereits für den Einstieg in taiwanische Unternehmen nutzen. Weitere dürften folgen, schließlich befinden sich Chinas Konzerne derzeit auf globaler Einkaufstour, wie der bevorstehende Verkauf der Ford-Tochter Volvo an Chinas Autobauer Geely unterstreicht.

Widerstand wächst

In Taiwan regt sich allerdings Widerstand gegen das kommunistische Kapital. Rund 30 Prozent der Bevölkerung lehnen das Handelsabkommen nach Meinungsumfragen ab, weil sie eine schleichende Übernahme ihres demokratischen Systems befürchten. Denn China erkennt Taiwan nicht als eigenständigen Staat an und droht für den Fall einer Unabhängigkeitserklärung der Insel mit einem militärischen Angriff. Als Beruhigungspille stellte Finanzaufseher Chen daher in Aussicht, Obergrenzen für chinesische Investitionen in den Markt als ganzes und für einzelne Unternehmen zu diskutieren. (Martin Kölling, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.12.2009)

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    Der mögliche Kapitalfluss aus der kommunistisch regierten Volksrepublik China in die kapitalistisch regierte Republik Taiwan gefällt allerdings nicht allen gleich gut. In Taiwan ziehen bereits Wolken der Unmut auf.

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