Ex-Guantanamo-Häftlinge sollen Drahtzieher sein

30. Dezember 2009, 08:22
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Zwei mutmaßliche Drahtzieher sollen ehemalige Guantanamo-Gefangene sein - Neue Gewalt gegen die USA angekündigt

Nach dem Attentatsversuch auf ein US-Flugzeug soll es laut Medien vier Verdächtige, zwei von ihnen Ex-Guantánamo-Häftlinge, geben. Al-Kaida und der mutmaßliche Bomber kündigten weitere Attentate an.

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Detroit/Mailand - Der nach dem vereitelten Terroranschlag auf ein US-Passagierflugzeug festgenommene Nigerianer hat Berichten des Telegraph und der Times Online zufolge gegenüber den Ermittlern ausgesagt, dass seine Tat nur die erste von vielen sei. Der 23-Jährige hatte am Christtag in einer Maschine der Northwest Airlines von Amsterdam nach Detroit kurz vor der Landung versucht, hochexplosives Pulver zu zünden, war aber überwältigt worden. Umar Faruk Abdulmutallab soll am 8. Jänner in Michigan vor Gericht erscheinen.

Am Montag bekannte sich die Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel in einer Internetbotschaft zu dem Anschlagsversuch und kündigte neue Gewalt gegen Ziele in den USA an. Die Extremisten bezeichneten die Tat als Rache für Angriffe auf militante Gruppen im Jemen. Dort soll Abdulmutallab vor dem Anschlag an einem Terrortraining teilgenommen haben.

Der TV-Sender ABC berichtete am Dienstag unter Berufung auf Dokumente des US-Verteidigungsministeriums, dass es im Zusammenhang mit der Tat vier Verdächtige gebe. Zwei seien ehemalige Guantánamo-Häftlinge. Sie seien im November 2007 entlassen und nach Saudi-Arabien gebracht worden, wo sie zunächst an einer Kunsttherapie teilgenommen hätten. Beide hätten später Führungsrollen im Terrornetz Al-Kaida im Jemen übernommen. In einem im Jänner 2009 veröffentlichten Propagandavideo seien sie mit dem mutmaßlichen Ex-Privatsekretär von Osama bin Laden, Abu Bazir Naser al-Wahishi, zu sehen.

Nach dem Anschlagsversuch wurde gerätselt, warum Abdulmutallab trotz Warnungen sein US-Visum hatte behalten dürfen. Die Antiterrorbehörden der USA teilten in der Nacht auf Dienstag mit, dass die Informationen über Abdulmutallab nicht ausgereicht hätten, um ihm das Visum zu entziehen.

Infolge des Anschlagsversuchs will Frankreichs Innenminister Brice Hortefeux laut einem Bericht des Figaro eine Erhebung von Fluggastdaten nach US-Beispiel einführen. Fluggesellschaften sollten verpflichtet werden, bereits bei der Reservierung personenbezogene Daten der Passagiere (etwa Kreditkartennummer und Adresse) zu erheben. Die Daten sollen innerhalb der EU weitergeleitet werden. In Kanada dürfen USA-Reisende bis auf eine kleine Tasche derzeit kein Handgepäck mitnehmen.

Auf dem Mailänder Flughafen Malpensa sorgte am Dienstag eine Paketbombenattrappe, die auf einer Toilette nahe der Check-in-Schalter gefunden wurde, für Aufregung. Aus dem Paket ragten Drähte und eine Antenne. Es stellte sich heraus, dass sich kein Sprengstoff in dem Paket befand. Der Flugverkehr war nicht beeinträchtigt. (APA, dpa, Reuters, spri/DER STANDARD, Printausgabe, 30.12.2009)

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    Neue Flugsicherheitsvorschriften in Kanada führen zu Verspätungen und langen Wartezeiten – wie hier am Flughafen Vancouver.

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