Einer der letzten Kaiser der Mode

29. Dezember 2009, 17:54
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Valentino ist Ausstatter des Neujahrskonzerts 2010

Der 77-jährige Valentino Clemente Ludovico Garavani wird beim Wiener Neujahrskonzert 2010 seinen großen Traum erfüllen: Er ist für die Ballettausstattung, für die Kostüme der Tänzer und Tänzerinnen verantwortlich. Kein Wunder, dass Primaballerina Eleonora Abbagnato in Valentino-Rot gekleidet sein wird.

Der "Maestro" , wie Valentino in Italien auch vielfach genannt wird, erlebt aber zu Neujahr nicht nur die Erfüllung seines Traumes, sondern auch den Niedergang seines Lebenswerks, der von ihm geschaffenen Valentino Fashion Group (VFG). Die mit enormen Schulden belastete Modefirma soll saniert und dann verkauft werden.

Damit wechselt das Unternehmen innerhalb von zehn Jahren zum fünften Mal den Eigentümer. Als das vorerst von der italienischen Textilfamilie Marzotto kontrollierte Imperium 2007 an den Private Equity Fonds Permira verkauft wurde, hatte Valentino Tränen in den Augen. Er wusste, dass dies das Ende seiner Karriere und möglicherweise auch des Unternehmens bedeutete. Ein Jahr lang durfte er noch die Kollektionen entwerfen, dann wurde er unsanft entlassen. Sein Stil sei nicht mehr zeitgerecht, hieß es. Auch der Stil seiner Nachfolger wurde dem Marktbedarf nicht recht - ein Schuldenberg von 2,2 Milliarden Euro sind der Beweis.

Der stets sonnengebräunte, mehrmals geliftete Modekünstler Valentino bestimmte jahrzehntelang Italiens Modegeschehen. Nicht umsonst titelt ein beim Filmfestival in Venedig prämierter Dokumentarfilm "Valentino - der letzte Kaiser".

Bereits mit 14 Jahren wusste der Sohn eines begüterten Kaufmanns aus Voghera, wo seine Zukunft lag. In den 50er-Jahren wechselte Valentino von Paris nach Rom, wo er in der Via Condotti sein erstes Atelier eröffnete. In Rom traf er seinen langjährigen Lebensgefährten und späteren Geschäftspartner Giancarlo Giammetti. Die beiden wurden zum Symbol des "Dolce Vita". In den 60er-Jahren erlangten die "roten Roben" internationalen Erfolg. Jackie Kennedy zählte zu den Kundinnen, Andy Warhol malte das famose Valentino-Porträt.

Der für seine Großzügigkeit und den luxuriösen Lebensstil bekannte 77-jährige Designer fürchtet sich nicht nur vor dem Alter, sondern auch vor Vereinsamung. So wird er stets von einem Hofstaat begleitet. Sorgen um seine Zukunft muss sich Italiens Modeidol keineswegs machen. Nicht nur seine berühmte Kunstsammlung, auch seine über die ganze Welt verstreuten Luxusvillen garantieren ihm weiteren Wohlstand. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD/Printausgabe, 30.12.2009)

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