"ZiBs" in der Balance von Rot und Schwarz

29. Dezember 2009, 17:57
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In den drei wichtigsten Nachrichten redete Vizekanzler Pröll 2009 am längsten - Kaum kürzer: Kanzler Faymann - Mit Grafik und den Daten zum Download

Wien - "Die Ausgewogenheit der großen Koalition": So beschreiben die TV-Beobachter der Innsbrucker APA-Tochter Mediawatch die ZiBs von 2009. Sie meinen: Nimmt man die drei wichtigsten ORF-Nachrichten zusammen, also ZiB 1, ZiB 2 und ZiB 24, liegen Vizekanzler Josef Pröll (VP) und Kanzler Werner Faymann (SP) praktisch gleichauf. Um 7000 Sekunden durfte jeder Parteichef zur Nation sprechen.

Armin Wolf, derzeit in Bildungskarenz, sprach 2006 vom "Gleichgewicht des Schreckens" von großen Regierungskoalitionen im ORF. Die Redakteurssprecher der aktuellen TV-Information sahen dieses Gleichgewicht auch in der Geschäftsführung wieder verwirklicht, als der Stiftungsrat Richard Grasl im Dezember zum Finanzdirektor wählte: "Die ÖVP setzt im Abtausch gegen die Zustimmung zur Teilrefundierung der Gebührenbefreiung eine Person ihres Vertrauens in die ORF-Geschäftsführung. Als politisches Gegengewicht zum SPÖ-nahen Generaldirektor."

Opposition zur Geisterstunde

Fast 74 Prozent der Redezeit in der ZiB 1 füllten Politiker der Koalition. Die Opposition findet ihren Platz zur Geisterstunde: 42 Prozent der Redezeit in der ZiB 24 kamen von Grünen und Vertretern von FPÖ und BZÖ.

Nach TV-Sekunden herrscht koalitionäres Gleichgewicht in den ORF-Nachrichten. Doch ihre Zahl sagt noch nichts über ihren Inhalt. Ob der Politiker sich in seinem O-Ton berühmen darf oder verteidigen muss. Häufigstes Thema roter Wortspenden in der ZiB 1 etwa waren Landtagswahlen. Salzburg, Vorarlberg, Kärnten, Oberösterreich waren durchwegs keine roten Ruhmesblätter. Die Schulreform als Thema Nummer 2 war auch nicht das einfachste Terrain. Und bei der EU-Wahl auf Rang 3 verloren die Sozialdemokraten massiv.

Unter den Landeshauptleuten kam Franz Voves (SP) aus der Steiermark nicht zuletzt mit seinen Steuerideen im ersten Halbjahr 2009 am längsten zu Wort in den drei wichtigsten ZiBs. In der Jahreswertung überholte ihn Kärntens Gerhard Dörfler (FPK). Rang 3 geht an Niederösterreichs Erwin Pröll (ÖVP), der dafür traditionell in Bundesland heute am längsten spricht.

Für den STANDARD analysiert Mediawatch nun schon das 13. Nachrichtenjahr im ORF. Der Frauenanteil in der ZiB 1 steigert sich seit 2007 wieder auf das Niveau von 2006. 2000, 2001 und 2005 kamen sie freilich noch ein Stück länger zu Wort. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 30.12.2009)

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    Faymann, Pröll und jede Menge Mikrofone.

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    grafik: standard
  • ZiB-Watch: Die Daten fürs Jahr 2009.

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  • Langzeitanalyse: Vertiefende Daten zum Jahresbericht 2009.

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