Das Comeback des Hausmeisters

29. Dezember 2009, 17:44
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Die Zahl der Hausbesorger hat sich seit 2000 mehr als halbiert. Mit einem neuen Gesetz soll es nun eine Renaissance des Berufsstandes geben

Wien - Es war eines der ersten Vorhaben der neu im Amt befindlichen schwarz-blauen Regierung im Juli 2000. Sie schaffte den Hausmeister ab. Reinigungsfirmen, war man der Meinung, könnten die Dienste billiger machen. Seither sank die Zahl der Hausmeister von 25.298 (Stand Juli 2000) auf nunmehr 11.766.

Doch eine Umfrage von Wiener Wohnen heuer ergab, dass 75 Prozent der Wiener wieder einen für sie greifbaren Hausmeister haben wollen. Das war wohl mit ein Grund, warum Wiens Bürgermeister Michael Häupl im Frühjahr nächsten Jahres die Wiener per Volksbefragung in der Causa entscheiden lässt.

Fällt diese pro Hausmeister aus, hat der Vorsitzende der Gewerkschaft Vida, Rudolf Kaske, bereits Vorstellungen, wie das neue, bundesweit geltende Gesetz aussehen soll. Ein Kollektivvertrag ist mangels eines Arbeitgeberverbandes nicht möglich. Notwendig ist aber die Zustimmung des Koalitionspartners. Im Gespräch mit dem Standard erläuterte Kaske seine Vorstellungen, was im Gesetz drinnen stehen soll.

Was im Gesetz stehen soll

  • Ein einheitliches Lohnschema in ganz Österreich. Wie hoch die Bezahlung sein soll, sei Verhandlungssache.
  • Die Materialien, die für die Arbeit notwendig sind, werden - wie in anderen Arbeitsverhältnissen auch - vom Dienstgeber zur Verfügung gestellt. Im alten Hausbesorgergesetz gab es einen Materialkostenersatz, der pro Bundesland unterschiedlich hoch war.
  • Flexibilität bei der Zur-Verfügung-Stellung einer Dienstwohnung. Die Mieter oder Eigentümer sollten einmalig entscheiden, ob sie dem Hausbesorger eine Dienstwohnung zur Verfügung stellen wollen. Wenn das Entgelt stimmt, sollte ein Teil der Kosten für die Wohnung der Hausmeister selbst zahlen, entweder die Betriebskosten oder die Miete.
  • Eine vereinfachte Kündigung, wie in anderen Arbeitsverhältnissen auch. Bisher war dafür das Arbeits- und Sozialgericht zuständig. Nun wird eine einmonatige Kündigungsfrist zum Quartal vorgeschlagen. Wenn keine Ersatzwohnung zur Verfügung gestellt wird, sollte die Frist für die Wohnungsräumung sechs Monate betragen. Oder der Hausmeister übernimmt die Wohnung und wohnt weiter dort. Kaske argumentiert, es müsse sichergestellt sein, dass der Betreffende nicht gleichzeitig arbeits- und wohnungslos wird.
  • Bei Urlaub oder Krankenstand soll der Dienstgeber für eine Vertretung sorgen. Bisher hat das der Hausbesorger selbst für Vertretung sorgen müssen.

Problemfall Schneeräumung

Mit dem neuen Gesetz soll auch der Problemfall der Schneeräumung wieder beseitigt werden. Denn nach derzeit gültigem Arbeitszeitgesetz dürfen die alten Hausbesorgerposten (aus der vor-Schüssel-Ära) nicht nachbesetzt werden und die neuen nicht Schnee schaufeln, wenn es in der Nacht schneit. Kaske will eine Arbeitszeitregelung mit einer fixen Anwesenheitspflicht und Ausnahmeregeln für den Fall, dass es außerhalb der Arbeitszeit schneit.

"Die Vergangenheit hat bewiesen, dass Reinigungsfirmen bei gleichem Auftrag nicht billiger sind als Hausmeister" , berichtet Kaske. Schließlich gehe es auch um die Außenbetreuung (Gärten), Kleinreparaturen und der Beaufsichtigung von Fremdfirmen. Was den Bewohnern aber besonders am Herz läge, seien zwei Arten von Sicherheiten: die soziale Sicherheit und jene der Kriminalitätsvermeidung. Der klassische Hausbesorger sei eben vor Ort oder im Haus. Und wenn er keine Dienstwohnung hat, dann müssten ihm entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden, mit Zugang zu Wasser und Geräten.

Sozialbau-Chef Herbert Ludl ist nicht gegen den Entwurf der Gewerkschaft, er versteht diesen aber als Angebot, von dem man Gebrauch machen kann oder nicht. Eine "Zwangsbeglückung" wäre nicht gut, sagte er zum Standard. Nicht zuletzt deshalb, weil es erhebliche Unterschiede gebe zwischen großen und kleinen Häusern, Eigentum und Miete, Gemeindebau und Genossenschaft. Und mache Bewohner, so Ludls Erfahrung, "wollen halt schlicht nur einen Haussklaven" . (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.12.2009)

Mit dem Thema Hausbesorger beschäftigt sich ein Standard-Wohnsymposium am 21.Jänner 2010, 15 Uhr (Wiener Urania). Infos: (01) 513 1913 oder wohnen.plus@aon.at

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    Mit dem neuen Gesetz soll auch der Problemfall der Schneeräumung wieder beseitigt werden. Denn nach derzeit gültigem Arbeitszeitgesetz dürfen die alten Hausbesorgerposten nicht nachbesetzt werden und die neuen nicht Schnee schaufeln, wenn es in der Nacht schneit.

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