Morak, Aigner, Venedig und viel Geld

29. Dezember 2009, 17:19
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Mit sieben Jahren Verspätung erschien ein mit 28.000 Euro gefördertes Büchlein

Wien - Der Schatten von Franz Morak, ÖVP-Kunststaatssekretär bis zum Jänner 2007, reicht bis in die Gegenwart: Im Jahr 2003 gewährte er Carl Aigner, dem langjährigen Herausgeber der Fotozeitschrift Eikon und Direktor des niederösterreichischen Landesmuseums in St. Pölten, respektable 28.000 Euro für ein Buch über die Österreich-Aspekte der Biennale Venedig.

Aufgrund der enormen Recherchen, die wohl zu leisten gewesen wären, erschien das Werk weder zur Biennale 2005 noch zu jener des Jahres 2007: Es kam erst unlängst, nach Ende der diesjährigen Ausgabe, heraus. Beim Brandstätter-Verlag - als Heftchen mit nicht einmal 20 Seiten aus der Hand von Carl Aigner und etlichen Fehlern.

Der Untertitel von Im Angesicht des Löwen lautet, wie im Kunstbericht 2003 angegeben, Österreich und die Biennale di Venezia. Erwartet worden war eine Analyse der Österreich-Beiträge seit 1895: Welche Konzepte verfolgten die Kommissäre? Mit welchen Arbeiten waren die Künstler vertreten? Und wie wurden die Beiträge rezipiert?

Doch Aigner beantwortet keine einzige Frage: In seiner Broschüre werden bloß Namen aufgelistet, jene der Kommissäre gar zweimal. Daher wird auch Bettina M. Busse zweimal für das Jahr 2003 genannt - obwohl Morak nur Kaspar König zum Kommissär bestellt hatte.

Aigner hat es sich betont einfach gemacht: Er erzählt nur nach, was man über die Biennale Venedig aus anderen Büchern weiß. Aufgefettet wird das Heftchen mit zwei Beiträgen: Die knappe Analyse von Elisabeth Voggeneder endet 2001. Und Sabine B. Vogel stellt die wichtigsten anderen Biennalen vor - ein solider Text, aber fehl am Platz.

In seiner Einleitung dankt Aigner natürlich Freund Morak "für seine Offenheit und den finanziellen Support" (der Dank gebührt eigentlich dem Steuerzahler): Beim Durchblättern fragt man sich, was da 28.000 Euro gekostet haben könnte. Die Honorare für die zwei Beiträge waren äußerst gering, Peter Baum, Erwin Melchart und andere stellten ihr Bildmaterial unentgeltlich zur Verfügung. Und als einzige Belege für die Biennale-Berichterstattung dienen vier Faksimiles von Melchart aus der Krone.

Erwähnt wird nicht einmal, dass Richard Kriesche 1995 den einzigen Preis für Österreich in der Geschichte der Biennale erhielt (einen Spezialpreis). Aigner entschuldigt sich: Das "Büchlein" solle "nur" ein erster Überblick sein, eine "umfangreiche Publikation" werde folgen. Wenn schon diese Petitesse sieben Jahre brauchte: Ob das Kriesche noch erleben wird? (DER STANDARD/Printausgabe, 30.12.2009)

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    foto: brandstätter verlag
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