Gelebte Stammtischkultur

29. Dezember 2009, 17:05
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Wie sehr die bayerische Natur von der Normalität abweicht, zeigt das Duo Gruber und Grünwald

Es hebt mit samtigem Streichorchester an, in das sich launige Tubatöne mischen, die schließlich in fiepsende Kaufhausmelodien abdriften, bei heulendem Gitarrenrock zwischenlanden und dann pumpenden Discobeat imitieren. Zu sehen ist aus der Vogelperspektive die Stadt, die vermutlich all diese Töne in sich vereint: München. Oder auch: der Bayer. Und seine Botschaft entspringt dem Titel der Sendung: "Normal is des ned!"

Wie sehr die bayerische Natur von der Normalität abweicht, zeigt das Kabarettduo Monika Gruber und Günter Grünwald in vier Folgen. "In Normal is des ned!" geht es bei aller Verkleidungslust weniger um den Brüller, sondern um Geschichten, die bayerische, besser: ländliche Gemeinschaften beschreiben. Ob sich die Kollegen noch an den Einsatz vor 30 Jahren erinnern können, stammelt ein bierseliger Feuerwehrhauptmann am Stammtisch. Die Talhuberin sei damals aus dem brennenden Hof gelaufen, ihre Schürze habe schon Feuer gefangen. Die Talhuberin habe aber nur gesagt: "Ich glaub', bei uns brennt's." Die Truppe zerkugelt sich. "Wer fährt denn?", beschließen sie den Abend. "Na er", fällt die Wahl auf den Bewusstlosesten vom Tisch. All das erzählt viel von gelebter Bierzeltkultur.

Einen Seitenhieb fing auch der Bayerische Rundfunk ein, mit dem Gruber immer wieder im Clinch liegt. Als gelackte TV-Managerin drückte sie die Plattheit der Branche aus: "Wir suchen einen Autor für eine anspruchsvolle, augenzwinkernde, aber irgendwie auch lustige Satiresendung." Der bayerische Autor kapituliert angesichts der Einmischungen: Dass derlei Schaffensleid so abnormal nicht ist, wird Gruber vermutlich auf der Tuba spielen können. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 30.12.2009)

"Normal is des ned!": Mittwoch, Donnerstag, 22.05 Uhr, BR

  • Günter Grünwald und Monika Gruber.
    foto: br/helmut milz

    Günter Grünwald und Monika Gruber.

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