Schwere Naturkatastrophen in den kommenden fünf Jahren

29. Dezember 2009, 14:48
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Bereits 2015 um die Hälfte mehr Menschen betroffen als heute - Besonders große Küstenstädte in Gefahr

Essen - Naturkatastrophen infolge des Klimawandels werden in den kommenden fünf Jahren an Zahl und Intensität dramatisch zunehmen. Davon ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK) überzeugt. Schon im Jahr 2015 könnten nach DRK-Berechnungen weltweit etwa 375 Millionen Menschen von Wirbelstürmen, Hurrikanen und Überflutungen betroffen sein. Heute seien rund 243 Millionen Menschen betroffen.

"Der Klimawandel ist der Tsunami von morgen", warnte DRK-Präsident Rudolf Seiters dem Bericht zufolge. Das Ergebnis der Klima-Konferenz von Kopenhagen sei enttäuschend. Umso mehr sei Katastrophenvorsorge wichtig. Der frühere deutsche Innenminister setzt darauf, dass die EU mindestens zehn Prozent ihrer Hilfen, die sie unterentwickelten Ländern in Kopenhagen zusagte, für Katastrophenvorsorge ausgibt: "Dies muss zentraler Bestandteil der Entwicklungspolitik werden", forderte Seiters. 

Große Küstenstädte besonders betroffen

Einer vor kurzem veröffentlichten Studie zufolge sind es insbesondere die großen Küstenstädte, die sich auf gigantische Schäden durch den Klimawandel einstellen müssen. Mitte des Jahrhunderts könnten Unwetter allein an der Ostküste der USA Schäden von 7,4 Billionen Dollar anrichten, heißt es in der Untersuchung des Versicherungskonzerns Allianz und der Umweltschutzorganisation WWF. Derzeit beliefen sich die gefährdeten Vermögen an dem Küstenstreifen noch auf 1,35 Billionen Dollar.

Regionen in Meeresnähe seien stärker vom Klimawandel betroffen, da hier Stürme und Fluten gleichzeitig auftreten, wie der Hurrikan Katrina 2005 in New Orleans gezeigt habe. Insgesamt wandle sich das Klima nicht langsam und stetig. Bestimmte Ereignisse wie das Abschmelzen der Polkappen oder eine Verschiebung des Sommermonsuns in Indien beschleunigten die Veränderungen unumkehrbar. "Das Abschmelzen der Polkappen geht in einer Rasanz voran, die kein Wissenschaftler vorhergesagt hat", sagte Regine Günther vom WWF Deutschland.

Weltweit könnte der steigende Meeresspiegel bis 2050 in 136 Städten mit mehr als einer Million Einwohner Häuser, Fabriken und Vermögenswerte im Wert von insgesamt 28 Billionen Dollar auslöschen, heißt es in der Studie.

"Eintritt und Folgen der Schadensereignisse abmildern"

Angesichts der drohenden gewaltigen Schadenssummen überdenken Assekuranzen derzeit ihre Geschäfte. Die Versicherer müssten Kunden bereits bei der Planung von neuen Gebäuden beraten und beispielsweise dafür sorgen, dass nicht in Überflutungsgebieten gebaut werde, sagte Clemens von Weichs, Chef der Rückversicherungstochter der Allianz. "Kernpunkt ist die Prävention, um den Eintritt und die Folgen der Schadensereignisse abzumildern", so Weichs. Verstärkt sollte zudem der Kapitalmarkt angezapft werden, um die möglicherweise sehr teuren Schadensfälle abzusichern, etwa über Derivate. Derzeit seien erst fünf Prozent der Versicherungsrisiken über den Kapitalmarkt abgedeckt. "Auf Sicht von zehn Jahren könnten es 15 bis 20 Prozent sein", erläuterte er.

Der Münchner Versicherer hat mit sogenannten Katastrophen-Anleihen bereits einen Teil seiner Risiken an Investoren weitergegeben. Diese müssen einstehen, wenn die Schäden einen bestimmten Wert übersteigen oder wenn zwei Katastrophen gleichzeitig auftreten. (red/Reuters/APA/AP)

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    Einer Studien zufolge würden besonders die großen Küstenstädte von schweren Katastrophen heimgesucht werden.

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