Erster Meerwasser-Pool mit Bio-Reinigung in Betrieb

31. Dezember 2009, 16:13
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Mikroorganismen filtern Salzwasser - Mangrovenpflanze sorgt über Wurzelsystem für permanente Beimpfung mit Mikroben

Wien - Der erste vollständig auf biologische Reinigung ausgelegte Meerwasser-Pool ist nach rund dreijähriger Entwicklungs-, Planungs- und Bauzeit in Wien in Betrieb gegangen. Ohne Chlor oder Elektrolyse wird das salzige Wasser durch ein Filtersystem sauber gehalten, auf dem nützliche Mikroorganismen anwachsen und regelmäßig geerntet werden.

"Ursprünglich war es mehr Neugier, ob biologische Reinigung mittels Mikroorganismen im Salzwasser auch funktioniert", erklärte Entwickler Maximilian Weissenbacher, Gartengestalter und Schwimmteichbauer in Mürzhofen (Steiermark). Mit Süßwasser funktionieren derartige Systeme mittlerweile seit Jahren.

Ideale Salzkonzentration

In der Probephase tüftelte Weissenbacher zuerst an der geeignetsten Salzkonzentration. Rasch zeigte sich, dass der Salzgehalt der Meere und Ozeane von rund 3,5 Prozent - oder: 35 Gramm Kochsalz pro Liter - ideal ist. Im Nachhinein ist dieses Ergebnis für den Wasserexperten wenig überraschend: Ebenso wie für Süßwasser ein Heer von nützlichen, weil Abfall fressenden Bakterien zur Verfügung steht, hält die Natur entsprechende Mikroben für Meerwasser bereit.

Im breiten Übergangsbereich, also Brackwasser, ist die Selbstreinigungskraft der Gewässer deutlich reduziert. Das ist nicht zuletzt ein Grund, warum Flussmündungen Problemzonen darstellen Hier bleibt das Wasser anhaltend trüb, organisches Material wird nicht oder nur ungenügend abgearbeitet und bleibt mitsamt den anorganischen Sedimenten des Flusses in mächtigen Schichten liegen.

Damit die Mikroorganismen im Meerwasserpool anwachsen und damit das Wasser reinigen können, brauchen sie - wie auch ihre Süßwasser-Verwandten - einen festen Untergrund. In der vier Quadratmeter großen Filterzone finden die Mikroben den nötigen Raum, um etwa durch Badende eingebrachte Belastungen wie Schweiß oder Urin abbauen zu können. Die Filterzone, die für den 50 Kubikmeter fassenden Pool ausreicht, wurde dabei völlig unsichtbar verbaut. Daher unterscheidet sich die Anlage auch optisch nicht von einem herkömmlichen Hallenbad.

Im Filter baut sich an der Oberfläche des Substrats langsam ein Film aus Mikroorganismen auf, der dem durchströmenden Wasser Durchlauf für Durchlauf jede Art von Verunreinigungen entzieht. Ist die Mikrobiologie im Filter voll entwickelt, wird die Pumpe angehalten. Der Filter fault so in den folgenden Tagen aus und nach einer gründlichen Rückspülung können die Mikroorganismen auf der so gereinigten Unterlage von Neuem anwachsen und gedeihen.

Mangrovenpflanze sorgt für die richtigen Mikroorganismen

Als stabilisierend für das System hat sich eine Mangrovenpflanze erwiesen. Diese wächst in einem kleinen, separaten Schottenbett, dem einzig sichtbaren in der ganzen Anlage. Das Salzwasser-liebende Bäumchen hat zwar mit der eigentlichen Reinigung wenig bis gar nichts zu tun, sorgt aber über ihr Wurzelsystem für eine permanente Beimpfung des restlichen Filters mit den richtigen Mikroorganismen.

Für die Erstbefüllung wurde kein künstliches Salzwasser mit der korrekten Konzentration hergestellt, sondern Adriawasser mit dem Tankwagen geholt. Das hat nicht nur die passende Konzentration, sondern auch die nötigen Mengen an Spurenelementen für die Mikroben und war somit die einfachere Lösung. Weissenbacher ist vom Marktpotenzial seines mittlerweile auch patentierten Systems überzeugt. Abgesehen von Menschen, welche einfach Meerwasser schätzen, könnten solche Pools auch von Patienten mit Hautkrankheiten genutzt werden. (red/APA)

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