Heimische Unternehmen zuversichtlich für 2010

29. Dezember 2009, 14:20
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Auch wenn die Krise noch lange nicht ausgestanden ist und Arbeitsplatzabbau bevorsteht geht es stimmungsmäßig aufwärts

Wien - Die österreichischen Unternehmer blicken auf das schlimmste Jahr seit langem zurück, erwarten für die nächsten zwölf Monate aber deutliche Verbesserungen. Künftiges Wirtschaftsklima, Umsatzerlöse und Auftragslage werden von den Betrieben deutlich besser beurteilt als vor einem halben Jahr, die Zukunftserwartungen sind in Summe aber noch immer niedriger als unmittelbar nach dem Ausbruch der Wirtschaftskrise vor gut einem Jahr.

Dies geht aus dem aktuellen Wirtschaftsbarometer hervor, einer halbjährlich veranstalteten Umfrage der Wirtschaftskammer. Die Konjunkturerhebung (1.500 Antworten) arbeitet mit aufsaldierten Bewertungen/Erwartungen der vergangenen bzw. kommenden 12 Monate. Der Indikator für das in den nächsten 12 Monaten erwartete Wirtschaftsklima befindet sich mit 17 Punkten erstmals seit Herbst 2007 wieder im positiven Bereich (+17). Im Frühjahr 2009 war dieser Wert noch bei minus 35 Punkten gelegen.

In praktisch allen Einzelfragen zeigen sich die befragten 1.500 Unternehmer optimistischer als zuletzt. Nur bei den Investitionen wird pro futuro eine weitere Verschlechterung erwartet (minus drei), bei der künftigen Beschäftigungsentwicklung erwartet man praktisch keine Veränderung zu den vergangenen 12 Monaten (plus eins).

"Die Unternehmen sind für 2010 deutlich zuversichtlicher, und das ist uneingeschränkt positiv", meint Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. "Das heißt aber leider noch nicht, dass wir über dem Berg sind - das heißt nur, dass wir wahrscheinlich die Talsohle durchschritten haben."

Wachstum stimulieren

Speziell bei der Beschäftigung erwartet die Wirtschaftskammer 2010 größere Probleme: Das prognostizierte Wachstum von etwa einem Prozent, werde nicht ausreichen, den Arbeitsmarkt zu beleben, argumentiert die Wirtschaftskammer mit Verweis auf die gleichlautende einhellige Expertenmeinung. Deshalb solle der Finanzminister noch einmal Geld in die Wirtschaft pumpen, forderte Leitl: "Wer mehr Jobs will, muss das Wachstum stimulieren."

Der Forderung nach einem weiteren Konjunkturpaket, bei dem Kammer und Gewerkschaft - dem Grundsatz nach - an einem Strang ziehen, ist bisher bei Finanzminister Josef Pröll, aber auch in der gesamten ÖVP, auf keine Gegenliebe gestoßen. Hauptargument: Dies würde das Budget weiter belasten.

Muss nicht sein, sagt die Wirtschaftskammer, die nach wie vor eine Offensive bei der thermischen Sanierung und die Einführung einer Handwerkerprämie fordert. Die dafür nötigen Fördermaßnahmen würden nach Meinung der WKÖ unter dem Strich das Budget nicht belasten - weil sie die Mehrwertsteuereinnahmen erhöhen und Umsätze aus der Schwarzarbeit in die legale Wirtschaft verlagern würden. Nach den im vergangenen Sommer ventilierten ursprünglichen Plänen hätten beide Maßnahmen den Fiskus zunächst 650 Mio. Euro gekostet.

Der der EU versprochenen Reduzierung des Maastrichtdefizits ab 2011 sieht Leitl besorgt entgegen - angesichts der schrumpfenden Steuererlöse und der höheren Kosten auf dem Arbeitsmarkt könne dies nicht leicht erreicht werden. Eigentlich gebe es hier "zwei Möglichkeiten", sagt er. Die eine sei eine "Systemerneuerung", also eine Staats-/Verwaltungsreform, die Milliardeneinsparungen ermöglicht. Die andere Option sei, "dass wir ab 2012/13 tief in die Geldbörse greifen müssen - alle, einschließlich Bürger und Wirtschaft. Das würde ich uns gern ersparen."

Deutsche Wirtschaft ebenfalls besser gestimmt

Auch die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich deutlich aufgehellt. Das geht aus der alljährlichen Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter 44 großen Branchenverbänden hervor, die am Dienstag in Köln veröffentlicht wurde. Demnach gaben 27 der Verbände an, die Stimmung in ihrer Branche sei besser als vor einem Jahr, 7 Verbände sehen sie unverändert. Bei der Vorjahresumfrage hatte kein einziger Verband von einer verbesserten Lage berichtet.

IW-Direktor Michael Hüther sagte, die internationale Wirtschaftskrise werde auch im nächsten Jahr noch einige Branchen hart treffen. "Doch insgesamt scheint das Gröbste überstanden, und die meisten Branchen sehen wieder einen Aufwärtstrend."

Allerdings gehen 27 Verbände davon aus, dass ihre Mitgliedsunternehmen im kommenden Jahr Arbeitsplätze abbauen werden. 16 Branchen wollen ihre Beschäftigtenzahlen halten. Einen Mitarbeiter-Zuwachs erwartet nur die Lederindustrie. Dies begründete der Branchenverband mit einer verbesserten Absatzlage vor allem im Bereich Autoleder.

Arbeitsplatzabbau

"Die Unternehmen konnten lange Zeit mit flexiblen Arbeitszeitkonten sowie Kurzarbeit ihre Beschäftigten halten und werden dies auch im kommenden Jahr versuchen", sagte Hüther. "Sollten die Erwartungen allerdings weiter einbrechen, werden viele Unternehmen nicht um einen Arbeitsplatzabbau herumkommen."

Immerhin 20 Verbände erwarten 2010 einen höheren Umsatz. Weitere zwei Branchen - die Energie- und Wasserwirtschaft sowie die Eisen- und Stahlindustrie - rechnen sogar damit, dass ihr Umsatz "wesentlich höher" ausfallen wird als 2009. Allerdings gehen 13 Branchen von niedrigeren Umsatz- oder Produktionszahlen aus. Besonders pessimistisch ist hier der Verband für Schiffbau und Meerestechnik, der als Folge von Firmeninsolvenzen und Auftragsstornierungen sogar wesentlich schlechtere Geschäfte befürchtet. Mit verstärkten Investitionen halten sich die Unternehmen zurück - nur neun der Branchen haben entsprechende Pläne. 11 Branchen wollen weniger investieren.

Vorsichtige Signale einer leichten Konjunkturbelebung gibt es auch in Frankreich. Die Einnahmen aus Unternehmenssteuern werden 2009 um zwei Milliarden Euro höher liegen als zuletzt veranschlagt, teilte das französische Finanzministerium mit. Dies sei vor allem dem Aufschwung auf den Finanzmärkten zu verdanken. (APA)

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