Mord im Haus des libanesischen Botschafters

29. Dezember 2009, 18:50
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Die Köchin fand das philippinische Zimmermädchen erstochen im Keller

Wien - In der Residenz des libanesischen Botschafters in der Gymnasiumstraße in Wien-Währing wurde am Dienstag die Leiche einer 30-jährigen Filipina gefunden. Die Tote hatte in dem Haus als Zimmermädchen gearbeitet.

Die Köchin des Botschafters - laut Polizei ebenfalls eine Filipina - fand die Leiche am Vormittag in der Wohnung des Zimmermädchens im Keller des Hauses. Die Köchin selbst wohnt nicht in der Residenz. Als sie die tote Frau entdeckte, war sonst niemand im Haus.

Laut Polizei wurde die Frau mit mehreren Messerstichen getötet. Wann genau die Haushälterin starb, war zu Redaktionsschluss noch unklar, ebenso das Motiv sowie die Frage, wer sie getötet haben könnte. Ungeklärt war des Weiteren, ob die Frau illegal beschäftigt wurde.

Der libanesische Botschafter ist derzeit im Libanon, das Außenministerium hat ihn aber bereits von dem Fund berichtet.

Die Botschaftsresidenz sowie die Botschaft gehören rechtlich nicht zu Österreich, sondern zu dem Land, das die Botschaft betreibt. Die Behörden - in diesem Fall Rettung und Polizei - brauchen die Zustimmung des anderen Staates, um dort zu arbeiten - "außer es besteht Gefahr für Leib und Leben. Dann greifen die Behörden ein und klären das nachher", wie Peter Launsky-Tiefenthal, Sprecher des Außenministeriums, erklärt. "In diesem Fall haben die Libanesen die Rettung und die Polizei gerufen, die Konsulin hat sofort ihre Zustimmung gegeben. Die Zusammenarbeit zwischen den österreichischen Behörden und den Libanesen funktioniert bisher sehr gut", sagt Launsky-Tiefenthal.

Auch Iris Seper, Sprecherin der Wiener Polizei, ist zufrieden mit der Zusammenarbeit. "Wir mussten nur einige Formalitäten klären, ein kurzer Schriftverkehr. Jetzt ist unsere Arbeit nicht beeinträchtigt", sagt sie. Dass libanesische Ermittler zu den Ermittlungen hinzugezogen werden könnten, glaubt sie nicht.

An ein ähnliches Verbrechen in einer Botschaft in Wien kann sie sich nicht erinnern. Generell käme es sehr selten vor, dass die Polizei in Botschaften ermitteln müsse. (Tobias Müller, DER STANDARD Printausgabe, 30.12.2009)

 

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