Formatschlacht um 3D-Filme ist entfacht

29. Dezember 2009, 13:41
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Drei Brillen-Hersteller buhlen um die Gunst der Seher, Kinobetreiber, TV-Hersteller - Blu-ray für zuhause

Für die Entwicklung von "Avatar" musste Filmemacher James Cameron eine neue Art der 3D-Kamera in Auftrag geben. Die Kopfschmerzen verursachenden Bilder aus Imax-Kinos und Entertainment-Parks der 1990er sollten durch gestochen scharfe Aufnahmen ersetzt werden, um damit dem 3D-Film den Weg zum Massenmarkt zu ebnen. Zumindest hinter der Kamera dürfte damit für die nächsten paar Jahre alles geregelt sein. Doch die Kinobetreiber, TV-Hersteller und Seher erwartet ein neuer Formatkrieg, denn für den Konsum der 3D-Filme sind spezielle Abspielgeräte und Brillen notwendig, berichtet die New York Times.

Unterschiedliche Technologien

Aktuell buhlen drei Hersteller mit unterschiedlichen Brillen-Technologien um die Gunst des Marktes. Marktführer ist RealD, der Polarisationsbrillen für rund 50 Cent das Stück produziert, die auch andere Produzenten ins Auge gefasst haben. Rund 4 Millionen dieser Gläser wurden zum Wochenstart von Avatar an US-Kinos ausgeliefert. Etwa 5.000 3D-Kinos weltweit haben Projektoren für dieses System installiert.

Dolby Laboratories, zurzeit der engste Verfolger und bekannt für Surround-Sound-Technologien, stellt Brillen her, die verschiedene Frequenzen aus Rot, Grün und Blau herausfiltern. Diese Brillen kosten rund 20 Euro, sind allerdings im Gegensatz zu den 50 Cent-Modellen, abwasch- und wiederverwendbar. Der dritte Mitbewerber im Bunde ist XpanD. Das Unternehmen stellt batteriebetriebene LCD-Shutterbrillen her, die durch schnelles, abwechselndes Schließen und Öffnen der Gläser jeweils das korrekte Bild für jedes Auge aufbereiten, um den 3D-Effekt zu erzeugen. Die Shutter-Brillen kosten etwa 35 Euro das Stück und sind ebenfalls wiederverwendbar. Dolby und XpanD verweisen jeweils auf rund 2.000 Kinos, die ihre Technologien unterstützen.

Ausgeglichen

Naturgemäß behaupten alle drei Hersteller, ihre Technologie sei die beste. Bei der Bildqualität sollen die Unterschiede laut Joe Miraglia, Design- und Konstruktionschef der Kinokette ArcLight Cinemas, jedenfalls nicht festzumachen sein. "Ich glaube nicht, dass Konsumenten einen Unterschied erkennen", sagt Miraglia, dessen Kinos alle drei Technologien unterstützen. Für Kinobetreiber erweisen sich auch die Kostenstrukturen der Hersteller als ausgeglichen. Wegwerfbrille oder Shutter-Gläser, in Summe käme es aufs Gleiche heraus, so der Experte gegenüber der NYT.

Zwischen Wohnzimmer und Kino

Für die Kinobetreiber ist 3D der große neue Hoffnungsträger, die Konsumenten von ihren Riesen-TVs in den Wohnzimmern wieder zurück vor die Leinwand locken zu können. Gleichzeitig erhöht die zunehmende Etablierung der 3D-Bilder im Kino den Druck auf Fernseher-Hersteller, die Technologie auch nachhause zu liefern. Die Shutter-Brillen XpanD könnten hier trotz hoher Erstanschaffungskosten Rückenwind von den Elektronikkonzernen erhalten. Sony, Panasonic und weitere Unternehmen wollen die batteriebetriebenen Gläser für ihre Version des 3D-TVs nutzen. Der Vorteil daran ist, dass hier bestehende Fernseher (LCD und Plasma) und Projektoren verwendet werden können. Sony betonte allerdings bereits vorab, dass neuere Modelle mit 100 oder 200 Hz schärfere Bilder liefern würden.

Blu-ray

Als Quellformat fürs Wohnzimmer hat sich vorab bereits Blu-ray durchgesetzt. Es ist zurzeit das einzige Massenmedium, dass 3D-Filme in Full HD (1080p) fassen kann. Wie berichtet, wurden bereits die Spezifikationen dafür ausgegeben. Sicher ist, dass zumindest der am weitesten verbreitete Blu-ray-Player, die PlayStation 3, per kostenlosem Update für 3D-Filme und -Videospiele fitgemacht werden kann.

3D-Fernsehen über Kabel- ode Sat-TV wird ob der hohen benötigten Bandbreite indes noch auf sich warten lassen. Hier müssen viele Sender erst auf HD nachrüsten.

(zw)

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    3D: Neues Format, neue Formatschlacht

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