Nur jede Zehnte mit Ergebnis sehr zufrieden

31. Dezember 2009, 07:00
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Studie: Jede vierte Österreicherin kann sich Eingriff vorstellen, acht Prozent lagen bereits unterm Messern - Gesundheitsrisiko wird oft unterschätzt

Wien - Schönheitsoperationen werden zunehmend auch zu Weihnachten geschenkt. Dass sich immer mehr Menschen, vor allem Frauen, unter das schönheitschirurgische Messer legen, sieht die Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien ao. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger mit Besorgnis: "Der vermeintlich perfekte Körper erscheint so erstrebenswert, dass dafür vieles in Kauf genommen wird - von chirurgischen Eingriffen oft schon in jungen Jahren bis zur permanenten, gesundheitsgefährdenden Diät."

Sie sieht eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe darin, den Frauen den Druck zu nehmen, sich an normierten Idealen orientieren zu müssen: "Wir müssen der Verunsicherung von Frauen und Mädchen entgegenwirken und ihr Selbstbewusstsein stärken. Das oft auch unseriöse Geschäft mit der Schönheit darf nicht auf Kosten der Gesundheit gemacht werden."

Jede Vierte kann sich Eingriff vorstellen

Eine Studie im Auftrag des Wiener Frauengesundheitsprogramms zeigt nun, dass acht Prozent der Frauen über 14 Jahren bereits einen schönheitschirurgischen oder kosmetischen Eingriff hinter sich haben. Weitere 25 Prozent können sich vorstellen, eine solche schönheitsmedizinische Intervention machen zu lassen. Faltenbehandlungen und Gesichtsstraffungen führen mit 54 Prozent die Liste der gemachten oder gewünschten Eingriffe an, vor Nasenkorrekturen (18 Prozent), Fettabsaugungen (16 Prozent) und Brustvergrößerungen oder -verkleinerungen (15 Prozent), ergab die Studie.

"Diese hohen Werte zeigen, dass Frauen so stark mit normierten Schönheitsidealen konfrontiert sind, dass viele von ihnen glauben, sie nur durch medizinische Eingriffe erreichen zu können", so Wimmer-Puchinger, die vor den gesundheitlichen Folgen "unrealistischer Körperbilder" warnt: Diese seien oft erheblich - "von Essstörungen, an denen rund 200.000 Österreicherinnen zumindest einmal in ihrem Leben erkranken, über Komplikationen bei schönheitschirurgischen Eingriffen bis hin zu massiven psychischen Problemen."

Nur zehn Prozent sind mit Ergebnis "sehr zufrieden"

In scharfem Kontrast zur Popularität von Schönheitsoperationen steht die Zufriedenheit mit deren Resultaten. Das Risiko, eine Operation auf sich zu nehmen, führt häufig nicht zum gewünschten Ergebnis, wie die aktuelle Studie zeigt. Elf Prozent der Befragten, die bereits einen einschlägigen Eingriff hinter sich haben, sind "sehr unzufrieden", das sind mehr als jene zehn Prozent, die "sehr zufrieden" bilanzieren. "Die Hoffnung, dass ein Schnitt mit dem Skalpell das Leben verändert, bleibt offenbar Illusion", so Prof.in Wimmer-Puchinger.

Operationen am Genital

Ein weltweiter Trend sind auch sogenannte Vaginalverschönerungen. Frauen lassen sich eine Designer-Vagina formen, die Schamlippen verkleinern oder mit Eigenfett unterspritzen. Laut American Society of Plastic Surgery ist Vaginalchirurgie das am schnellsten wachsende Segment der Fachrichtung. "Zu den Langzeitfolgen derartiger Eingriffe gibt es allerdings kaum wissenschaftliche Evidenz", kritisiert Wimmer-Puchinger.

Unerreichbare Schönheitsideale

Die aktuellen Daten zeigen, wie wichtig Maßnahmen gegen den krank machenden Schönheits- und Schlankheitswahn seien, verweist Wimmer-Puchinger mit Blick auf die diesbezüglichen Aktivitäten der Stadt Wien. Als erste europäische Stadt startete Wien nämlich im Rahmen des Frauengesundheitsprogramms eine umfassende Initiative zum Thema Essstörungen. Die Initiative S-O-Ess setzt sich unter dem Motto "No BODY is perfect" gegen ungesunde Körperideale und krank machende Vorbilder ein. Wimmer-Puchinger lobt auch den Schulterschluss von Politik, GesundheitsexpertInnen, Mode, Werbung, Medien und Show-Business: "Dadurch wird die Bewusstseinsbildung zu diesem Thema unterstützt." (red)

Aufklärungsbroschüre

"Selbst ist die Frau - Schönheit um jeden Preis?" heißt eine Aufklärungsbroschüre des Wiener Programms für Frauengesundheit, das über Risiken bei Schönheitsoperationen aufklärt und kostenlos unter 01/4000 87 162 bestellt oder unter www.frauengesundheit-wien.at heruntergeladen werden kann.

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    Die ÖsterreicherInnen lassen am liebsten an Haut, Nase, Fettdepots und Brüsten herumoperieren - und nicht selten desillusioniert das Ergbnis, wenn es nicht den Vorstellungen entspricht, besagt eine aktuelle Studie im Auftrag des Wiener Frauengesundheitsprogramms.

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