Edle Tropfen werden verschleudert

29. Dezember 2009, 09:40
67 Postings

Lange war Champagner ein Luxus-Produkt, für das Genießer tief in die Tasche griffen. Die Krise ließ die Nachfrage einbrechen

Paris/Straßburg - Was für die Branche ein Alptraum ist, kann Verbraucher freuen. Denn rechtzeitig vor Silvester purzeln die Preise - vor allem im Stammland Frankreich.

In Frankreich liefern sich die großen Supermärkte ein regelrechtes Preisgefecht. Im Straßburger Großmarkt Leclerc etwa lockt gleich hinter dem Eingang ein riesiges Schild mit "Champagner zu Sonderpreisen". In der Weinabteilung preist ein Verkäufer an einem riesigen Verkaufsstand wie ein Marktschreier übers Mikrofon die Flaschen mit dem Luxus-Schaumwein an. Um den Stand drängeln sich die Kunden, unter ihnen viele Deutsche aus dem benachbarten Baden-Württemberg.

Denn so billig war Champagner in Frankreich schon lange nicht mehr. Auf vielen Flaschen verkünden bunte Aufkleber Preisnachlässe von bis zu 30 Prozent. "Champagner, die bisher 13 Euro gekostet haben, sind nun für 10 Euro zu haben", sagt Sebastien Robert, der bei Leclerc in Ostfrankreich für den Einkauf zuständig ist. Einige Sorten würden kurz vor den Festtagen sogar zum Kampfpreis von 8,50 Euro angeboten.

Krise lässt Exporte einbrechen

Grund ist die Wirtschaftskrise, die vor allem die Exporte einbrechen ließen - auf einigen Märkten um bis zu 60 Prozent. Besonders stark ging die Nachfrage nach Angaben des französischen Komitees für die Vermarktung des Champagners (CIVC) in den USA und Großbritannien zurück, aber auch in Russland wird weniger Champagner getrunken. Insgesamt rechnet der Verband für 2009 mit einen Rückgang der Exporte um bis zu 15 Prozent.

Wegen der sinkenden Nachfrage hätten sich bei den Großimporteuren riesige Vorräte angesammelt haben, erläutert Daniel Lorson, Sprecher des CIVC. Diese hätten ihre Bestellungen in der Folge drastisch zurückgeschraubt. Das wiederum habe dazu geführt, dass auch die Lagerräume der Hersteller überfüllt seien. Derzeit lagerten in den Kellereien der Champagne rund 1,2 Mrd. Flaschen.

Vorräte abbauen

Um diese Vorräte abzubauen, haben eine Reihe prestigeträchtiger Häuser still und heimlich Untermarken geschaffen, die sie zu Schleuderpreisen auf den Markt bringen. In Flaschen mit unbekannten Namen auf den Etiketten kann sich daher durchaus hochwertiger Champagner befinden. Die Erzeuger wollen damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: durch massive Verkäufe die Kassen füllen und gleichzeitig den Ruf ihrer Nobel-Marken schützen. "Die Kellereien brauchen Bares, um ihre nächste Ernte zu sichern", sagt Leclerc-Einkäufer Robert. Dafür würden sie einige Flaschen fast unter dem Erzeugerpreis veräußern.

Die derzeitigen Schleuderpreise schadeten dem Image des Champagners als Getränk für besondere Anlässe, bedauert Paul-Francois Vranken von der Kellerei Vranken-Pommery. Allen Prognosen zufolge werde die weltweite Nachfrage in vier bis fünf Monaten wieder anziehen. Dann würden die meisten Kellereien ihre Untermarken einstellen. Champagner werde dann wieder, was er bisher war - "rar und teuer". (APA)

 

  • Wegen der sinkenden Nachfrage haben sich bei den Großimporteuren riesige Vorräte angesammelt.
    foto: epa/helem

    Wegen der sinkenden Nachfrage haben sich bei den Großimporteuren riesige Vorräte angesammelt.

Share if you care.