"Nur gesunder Player kann eine Branche ziehen"

29. Dezember 2009, 09:06
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Der Umsatz von HP Österreich ist 2009 um sieben Prozent geschrumpft - Geschäftsführer Rudolf Kemler im Interview

Der Umsatz von HP Österreich ist 2009 um sieben Prozent geschrumpft. Warum das IT-Unternehmen sich dennoch positiv entwickelt hat, sagte Geschäftsführer Rudolf Kemler im Gespräch mit Karin Tzschentke.

Standard: 2009 war für die gesamte Wirtschaft ein hartes Jahr. Wie ist es HP Österreich ergangen?

Kemler: Die Unternehmen haben vor IT-Investitionen jeder Art zurückgescheut. Unterm Strich weisen wir einen Auftragsbestand von 552 Millionen Euro aus, das ist ein Rückgang um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf der anderen Seite wurden stattdessen aber viele Dienstleistungen in Anspruch genommen, was natürlich unser Servicegeschäft positiv beeinflusst hat.

Standard: Also ein weinendes und ein lachendes Auge?

Kemler: Das lachende Auge, das wir vielleicht trotzdem haben, ist, dass wir im Vergleich zu anderen Unternehmen uns dennoch positiv entwickelt haben. HP hat in praktisch allen Bereich dazugewonnen. Das Interessante ist in solchen Zeiten ja nicht, ob ich meinen Umsatz halten kann, sondern wie bewege ich mich relativ am Markt. Weil das ist die Ausgangsbasis für die Zeit nach der Krise.

Standard: Erwarten Sie 2010 wieder mehr Investitionen?

Kemler: Wir sehen eine Entspannung, relativ zum Vorjahr dürfte es besser werden. Wenn wir aber schauen, wo wir 2008 vom langjährigen Trend abgesprungen sind, werden wir, wenn es so weitergeht wie im Moment, bis 2011 brauchen, um am Ausgangspunkt zurück zu sein.

Standard: Trotz Krise hat HP ja seine Gewinne im Geschäftsjahr 2009 um 14 Prozent steigern können. Allerdings auch zum Preis von Mitarbeiterabbau.

Kemler: Der Mitarbeiterabbau erfolgt im Rahmen der im Mai 2008 angekündigten EDS-Übernahme, die sukzessive abgewickelt wird. Bei einer Fusion, bei der ein Unternehmen mit weltweit 330.00 Mitarbeitern entsteht, gibt es immer einen Ratioeffekt. Bei HP lag der Wert bei 7,5 Prozent oder 24.000 Personen auf drei Jahre in einem extrem niedrigen Bereich. In Österreich haben wir nur eine kleine Zahl verändert.

Standard: Wie soll aber eine Wirtschaft anspringen, wenn immer mehr Leute ihren Job verlieren?

Kemler: Die Frage ist immer, was ist die Alternative dazu? Die Vorwärtsvariante heißt, mehr personalintensive Themen, also Dienstleistung forcieren, was wir eindeutig tun. Die zweite Variante ist, sich zu fragen, was passieren würde, wenn man das Personal und die Kosten behält. Das würde die Ergebnisse entsprechend hinunterziehen und das Gesamtunternehmen, an dem jede Menge Zulieferer hängen, gefährden. Nur ein gesunder Player in unserer Dimension kann eine Branche ziehen. Ein Blick auf unseren Aktienkurs zeigt, dass wir diese Leitrolle sehr gut wahrgenommen haben.

Standard: Also geht es doch ums Profitstreben, Auslöser dieser Krise?

Kemler: Nicht die Anleger, die ihr Geld in der realen Wirtschaft angelegt haben, waren die Auslöser dieser Krise. Sie investieren in etwas, das real produziert und geleistet wird. Wenn ich dies als Anleger tue, muss ich auch davon auch ausgehen können, dort mehr Effekt zu haben als auf einem Sparbuch.

Standard: Wo sehen Sie für Österreich Chancen, zu wachsen und womöglich Arbeitsplätze zu schaffen?

Kemler: In den richtigen Nischen und darin, dafür zu sorgen, dass werthaltige Tätigkeiten im Land bleiben. Mit Investitionen von 42 Milliarden Euro in Straße und Schiene werden wir keine nachhaltige Wirtschaftspolitik betreiben. Wenn wir in den Bereichen IT und Telekommunikation mehr tun würden - noch dazu, wo der Block wirtschaftlich eine größere Rolle spielt als der Tourismus -, würde das sehr wohl etwas bringen.

Standard: Wie wollen Sie diesen Satz mit Leben füllen? Seit unzähligen Jahren gibt es in Österreich immer wieder Initiativen der öffentlichen Hand zur ITK-Förderung, die genauso schnell versanden wie sie auftauchen.

Kemler: In Sachen Bewusstseinsbildung ist heuer in dieser Hinsicht viel vorangegangen. Ich glaube, wir werden 2010 erste Auswirkungen sehen.

Standard: Welcher Natur?

Kemler: Der Stellenwert dieses Sektors wird sich in der Wirtschaftspolitik der Regierung zum Positiven verändern. Es wird mehr zu Koordination von IT-Aktivitäten in den einzelnen Ressorts kommen.

Standard: Unternehmen wie das Ihre sprechen immer von Spareffekten durch ITK-Systeme. Wenn man diese für die öffentliche Verwaltung ausschöpft, was könnte erreicht werden?

Kemler: Bis zu zehn Prozent vom Budget wären durchaus möglich.

Zur Person

Rudolf Kemler (53) ist seit 2007 Geschäftsführer bei HP Österreich und seit rund 30 Jahren in der IT-Branche tätig.

 

  • Bis zu zehn Prozent könnte in der Verwaltung mit IT eingespart werden, sagt HP-Österreich-Chef RudolfKemler.
    foto: standard/fischer

    Bis zu zehn Prozent könnte in der Verwaltung mit IT eingespart werden, sagt HP-Österreich-Chef Rudolf
    Kemler.

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