Brite wegen Drogenschmuggels hingerichtet

29. Dezember 2009, 19:32
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Brown verurteilte Hinrichtung scharf - 53-Jähriger soll psychisch krank gewesen sein - Gnadenappelle ignoriert - Mit Video

Die Exekution eines britischen Staatsbürgers wegen Drogenschmuggels hat einen verbalen Schlagabtausch ausgelöst. Die scharfen Worte aus London weist Peking zurück: Die Todesstrafe sei der Tat angemessen.

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"Entsetzt, schockiert und enttäuscht" zeigte sich der britische Premier Gordon Brown am Dienstag, nachdem er von der Hinrichtung des 53-jährigen Briten Akmal Shaikh wegen Drogenschmuggels in China erfuhr. Die Reaktion aus Peking folgte prompt: Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums wies die Worte brüsk als "grundlos" zurück.

Chinas Justiz sei unabhängig und erlaube keine ausländische Einmischung, sagte die Sprecherin. "Niemand hat das Recht, sich von außen über sie unqualifiziert zu äußern." China verwehre sich gegen die "unberechtigten Vorwürfe". Und: "Wir fordern die britische Seite auf, ihre Einstellung zu korrigieren, um Schaden von den Beziehungen abzuwenden."

Vor diesem verbalen Schlagabtausch hatte sich Pekings Oberstes Gericht am Dienstag über die Appelle der britischen Regierung und die verzweifelten Gnadengesuche der Familienmitglieder von Akmal Shaikh hinweggesetzt. Es hatte diese Bitten um einen Aufschub des Urteils ebenso ignoriert wie zahlreiche Eingaben während der zwei Jahre des Verfahrens.

Zweifel an Schuldfähigkeit

27-mal hatte sich die britische Botschaft an Chinas Justiz mit der Aufforderung gewandt, den psychischen Zustand des Verurteilten untersuchen zu lassen, weil starke Zweifel an seiner Zurechnungs- und Schuldfähigkeit bestehen. In einer Erklärung des Obersten Gerichtes am Dienstag, die offenbar erst veröffentlicht wurde, als Shaikh schon tot war, heißt es, das Gericht habe die Exekution genehmigt. Die von Botschaftsseite und Organisationen eingereichten Dokumente "konnten weder eine psychische Zerrüttung beim Betroffenen noch eine entsprechende familiäre Krankengeschichte belegen". Die Todesstrafe sei der Schwere der Tat angemessen: "Das Verbrechen ist extrem. (...) Die Beweise sind gesichert, die Fakten klar."

Shaikh wurde in Xinjiangs Hauptstadt Ürümqi mit einer Giftinjektion unter höchster Geheimhaltung hingerichtet. Es war die erste Exekution eines europäischen Staatsbürgers in der Volksrepublik seit mehr als einem halben Jahrhundert. Bis gestern Abend wurde noch nicht einmal die Zeit seines Todes bekanntgegeben. Der gebürtige Pakistani, der als Kind nach Großbritannien kam, war im September 2007 bei seiner Einreise nach China von Tadschikistan mit 4030 Gramm Heroin in seinem Koffer auf dem Flughafen von Ürümqi erwischt worden.

Auf Drogenschmuggel stehen in China drakonische Strafen. Schon der Besitz von 50 Gramm Heroin reichen nach dem Strafgesetzbuch für die Todesstrafe aus. Shaikh hatte in einer konfusen Verteidigungsrede dem Gericht gesagt, dass er vom Inhalt des Koffers nichts gewusst habe. Er sei, ohne seine Familie zu informieren nach Polen gefahren, um dort eine neue Berufskarriere als Sänger zu starten und seine Heilsbotschaften zu verkünden. Vermeintliche Unterstützer seiner Pläne brachten ihn über Zentralasien nach Tadschikistan und schickten ihn auf den Weg nach China. Dort hätte er mit ihrer Hilfe seine neue Berufskarriere als Popsänger starten sollen.

"Missbraucht als Kurier"

Die Gefangeneninitiative "Reprieve" ist sicher, dass er in die Hände krimineller Banden gefallen sei, die ihn als Drogenkurier missbrauchten. Nach ihren Angaben belegten ärztliche Diagnosen, dass der Vater dreier Kinder seit langem an einer manisch-depressiven Nervenkrankheit leide und nicht verstand, in was er verwickelt wurde.

Chinas Justiz erlaubt eine Abwendung eines Todesurteils nur, wenn der Täter psychisch krank ist oder bei der Tat nicht zurechnungsfähig war. Einen solchen Befund aber dürfen nur von den Gerichten beauftragte Ärzte treffen. Ausländische Experten und Gutachten würden nicht anerkannt, sagte der Menschenrechtsexperte Liu Nanlai. Für das Gericht war nach Angaben Pekinger Beamter Saikh zurechnungsfähig.

Auskünfte über Todesurteile sind schwer zu erhalten. Bekannt wurde 2004 der Fall eines Drogenschmugglers aus Burma, der in Kunming hingerichtet wurde, und eines Japaners, der wegen Schmuggel von 1,25 Kilo Rauschgift sterben musste. Ebenfalls sollen mehrere Drogenkuriere aus den Phillipinen exekutiert worden sein. Ende 2008 wurden acht Afrikaner in Kanton wegen Drogenschmuggel verurteilt, deren Todesstrafen mit zweijährigem Aufschub ausgesetzt wurden. (Johnny Erling aus Peking/DER STANDARD, Printausgabe, 30.12.2009)

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    Exekutionstraining: Chinesische Polizisten üben die Hinrichtung mit der Giftspritze. So starb am Dienstag auch der Brite Akmal Shaikh. Die genaue Zahl der Todesurteile gilt in China als Staatsgeheimnis.

  • Akmal Shaikh
    foto: epa/luis belmonte diaz / reprieve

    Akmal Shaikh

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