Nach Großraumdiscos entdeckt Heinz-Christian Strache nun die "bessere" Clubbingszene
DER FPÖ-Chef setzt dort ohne Gegner und hochprofessionell Jörg Haiders Methode vom "unpolitischen" Ausgehen mit der "Buberlpartie" fort.
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Wien - Der namenlose PR-Berater an der Bar war erschüttert: "Der Mann macht alles richtig - und die anderen halten nichts dagegen", sagte er - und zeigte auf den Pulk, im Zentrum von Wiens neuester Schicki-Club-Location, der "Residenz Zögernitz".
Es war die (Party-)Nacht zum Heiligen Abend. Das Volk aus gutem bis besserem Wiener Haus war angetreten, um es vor den Familienfeiern krachen zu lassen. Die Hütte war voll, die Schlange vor der Tür lang - und Mitten im Pulk vor der Bar hielt einer Audienz: Heinz-Christian Strache.
Es war, zeigte der zweite Blick, ein Heimspiel. Der erste Blick: Der FPÖ-Chef stand, wo man ihn nicht übersehen konnte, schüttelte Hände, gab Bussis, klopfte Schultern, lachte, rauchte und war leutselig.
Der zweite Blick: Straches Bodyguard stand abseits. Zu weit weg, um rasch eingreifen zu können. Dass auch er entspannt plauderte, war ein Zeichen: Man war hier unter Freunden. Dabei war das Fest im alten Patrizierhaus keines jener Parteijugend-Clubbings, mit denen Spitzenpolitiker ebenso gern wie erfolglos Partycredibility simulieren wollen: Im Vorfeld, erzählte einer der Veranstalter, habe Strache abklären lassen, ob sein Einlass garantiert wäre. Unmittelbar vor seinem Eintreffen sondierten dann zwei Mitarbeiter das Terrain. "Der macht das immer so."
Denn Wiens FP-Chef ist derzeit Dauergast in Clubland. Nicht bloß - klischeehaft formuliert - unterprivilegierte, chancenlose Plattenbaukids in Peripheriegroßraumdiscos zeigen keine Berührungsängste: Auch in Edelclubs, wo feiert, wer Geld, Bildung und Zukunft hat, ist Strache für alle "der H.-C.".
Nicht, dass Strache nicht immer schon umtriebig war. Aber das fast berechenbare System, mit dem er auf allen Partys auftaucht, auf denen Gesehenwerden zählt, setzt fort, was schon zu Zeiten von Jörg Haiders "Buberlpartie" klappte. Freilich effizienter und hoch professionalisiert: Auf den Internetseiten der Wiener Partyfotografen ist Strache omnipräsent. So wie in den Society- und Partyclips diverser Kleinst- und Internetsender.
Auch Fotofehler von früher (Zigarette in der Hand, harte Drinks im Anschlag, zu ausgelassene Action) gibt es heute kaum mehr. Und über Politik redet "der H.-C." sowieso nicht. Nicht von sich aus.
Das kommt an: Wer außer Politikern, ihrem Klüngel und den sie umschwirrenden Journalisten hört der Phrasendrescherei denn schon bei Tag noch zu? Wer das Volk dann auch nachts mit Polit-Hülsen bewirft, hat rasch den Sexappeal getragener Socken. Bestenfalls.
Darum plaudert Strache bei Nacht über alles andere: Über die Angst beim Bungeejumpen, das Hochgefühl danach und wieso er das "trotzdem nicht nochmal" braucht. Über Drinks und DJs. Über Weihnachtsstress, Gott, Frauen und die Welt - und den Spaß, unter "echten Leuten" zu sein.
Dass die Metabotschaft mehr als "Ich bin einer von euch" ist, verdeckt der clubeigene Soundteppich. Und wenn Strache ankündigt, bis zum Sommer "ordentlich" abnehmen zu wollen, "weil ich in alle Bäder gehen werde. Überallhin, wo ein Bürgermeister sein sollte, der sich nicht vor den eigenen Bürgern fürchtet", ist das eine Wuchtel. Und nicht die Verlautbarung der nächsten "unpolitischen" Wahlkampfspielwiese - auf der Strache wohl wieder niemand das Terrain streitig macht.
Oder machen kann: Als Strache im Vorjahr bei einer Großraumdiscoeröffnung Standing Ovations bekam, meinte Wiens grüne Planungssprecherin Sabine Gretner resigniert: "Wir erreichen diese Menschen nicht."
Dies gilt längst auch in "besseren" Kreisen, verriet in der "Residenz" eine Societyreporterin: "H.-C., Leonie Baumkirchner (TV-Starlet; Anm.), Anna Huber (Model) und Jenny Fellner (Tochter) - sonst waren da null VIPs." Dabei waren auch Laura Rudas (SP-Bundesgeschäftsführerin) und Niko Pelinka (Ministersprecher) da: "Und wen interessieren die? Das sind doch nur Politiker." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2009)