Liberal? Nein, dynastisch

28. Dezember 2009, 18:41
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Das BZÖ versteht sich als die Gralshüterin von Haiders Erbe

Sie weiß, was er wollte." Mit diesem Slogan ist Ursula Haubner, die Schwester des BZÖ-Gründers Jörg Haider, in den oberösterreichischen Landtagswahlkampf gezogen. Das war nicht besonders erfolgreich. Aber es war besonders typisch für das BZÖ: Diese Partei versteht sich als die Gralshüterin von Haiders Erbe. Das hat bei den Kärntner Landtags- und Gemeinderatswahlen im Frühjahr ganz gut funktioniert - anderswo aber hat man dafür nur Kopfschütteln übrig.

Das ist auch den meisten der Erben bewusst: Irgendwann muss man eine richtige Partei sein, allenfalls kommt man auch als lose organisierte politische Bewegung durch - aber da muss man wenigstens wissen, was und wen man wohin bewegen will. Rechtsliberal wäre man halt gerne.

Das hat schließlich für den VdU und die FPÖ in der Vor-Haider-Zeit auch funktioniert: Da konnten sich die Freiheitlichen auf ein Segment von bürgerlichen, aber antiklerikalen Honoratioren verlassen, die sich eine wirtschaftsfreundliche und gegen die rot-schwarze Hegemonie gerichtete Politik gewünscht haben. Ausgerechnet der frühere SS-Mann Friedrich Peter hat dabei einen auch gesellschaftspolitisch liberalen Kurs durchgesetzt, in den Siebzigerjahren übrigens mit dem jungen Haider an seiner Seite. Der aber verschreckte das freiheitliche Establishment, dessen nächste Generation nun von H.-C. Strache heimgeholt wird. Und dem BZÖ bleibt nur, den wahren Willen seines Gründers mit Zeugenaussagen seiner Hinterbliebenen zu belegen. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2009)

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