Eine Stimme gegen Europa

28. Dezember 2009, 18:36
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Die Anhängerschaft der einstigen Tudjman-Partei hat sich bei dieser Wahl zersplittert und ihrem Kandidaten ein Desaster bereitet

Auf den ersten Blick liegt es nahe, die Weisheit des Wählers zu loben. Die Kroaten haben sich bei der Präsidentenwahl am Sonntag noch nicht für einen Kandidaten, aber schon einmal für eine Kohabitation entschieden, wie sie auch in den letzten Jahren nicht schlecht funktioniert hat. Da stand dem mächtigen Konservativen Ivo Sanader der ebenfalls mächtige Linksliberale Stipe Mesic gegenüber. Es war ein ungleiches Tandem, das da in Richtung Europa radelte. Man trat zwar nicht im selben Takt, achtete aber darauf, dass man nicht umfiel.

Wieder so gut funktionieren wird es, wenn in der zweiten Runde der Sozialdemokrat Ivo Josipovic das Rennen macht. Siegt dagegen sein einstiger Parteifreund Milan Bandiæ, sind Stürze programmiert. Mit dem Populisten aus der Herzegowina bekommen in Kroatien diejenigen eine Stimme, denen die ganze Richtung nicht passt. Man kann sich wieder auf das "Eigene" besinnen und den ganzen europäischen Hokuspokus aus Frauenemanzipation, Rauchverboten und Verfassungsrechten bei einem Gläschen Raki nach Kräften verachten. Die Zahl der Kroaten, die sich in einer solchen Runde wohlfühlen, wächst Umfragen zufolge beständig.

Selbst wenn Bandic am 10. Jänner nicht siegt, so kann er doch die Meinungsführerschaft auf der Rechten gewinnen. Das allein wäre schlimm genug. Die Anhängerschaft der einstigen Tudjman-Partei hat sich bei dieser Wahl zersplittert und ihrem Kandidaten ein Desaster bereitet. Das könnte auch die seriöse Premierministerin Jadranka Kosor ins Schleudern bringen. (Norbert Mappes-Niediek/DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2009)

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