Putin sucht in Asien neue Abnehmer für Öl

28. Dezember 2009, 21:15
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Russland lässt sich neue Exportmöglichkeit zehn Milliarden Euro kosten

Kosmino/Wien - Der russische Premierminister Wladimir Putin hat sich zum Jahresende ein besonderes Geschenk gemacht. Am Montag eröffnete der Premierminister bei seinem Besuch im Fernen Osten Russlands ein Öl-Terminal und eine neue Pipeline. Putin bezeichnete die neuen Ölhafen in Kosmino in der Nähe von Wladiwostok als "wunderbares Neujahrsgeschenk" .

Die neue Verladestelle am Pazifik, die 60 Milliarden Rubel (rund 1,4 Milliarden Euro) gekostet hat, dient der Lieferung von russischem Öl nach Asien. "Das ist ein strategisches Projekt, denn es erlaubt uns den Zugang zu neuen Märkten, zu den wachsenden asiatischen-pazifischen Märkten" , sagte Putin.

Russland, derzeit vor Saudi Arabien der größte Ölproduzent der Welt, versucht schon seit längerem seine Energielieferungen zu diversifizieren und stärker auf dem asiatischen Markt Fuß zu fassen. Nach der in diesem Jahr beschlossenen "Energiestrategie bis 2030" soll der Anteil der russischen Ölausfuhren nach Asien von derzeit sechs auf 20 bis 25 Prozent steigen. Auch seine Gaslieferungen nach Asien will Russland erhöhen. Der russische Staatskonzern Gasprom verhandelt gerade mit China.

In den kommenden Jahren werden über Kosmino bis zu 600.000 Barrel pro Tag verschifft werden. Das Öl fließt über die 4700 Kilometer lange Pipeline WSTO (Ostsibirien - Stiller Ozean), deren Bau 360 Milliarden Rubel (rund 8,4 Milliarden Euro) kosten wird. Bislang ist erst der erste Bauabschnitt bis Skoworino abgeschlossen, danach wird das Öl per Eisenbahn befördert. Mit dem Bau der WSTO-Pipeline wurde 2004 begonnen. Ab 2014 soll die Ölleitung eine Jahresleistung von 50 Millionen Tonnen haben.

Ölstreit mit Ukraine gelöst

Geklärt werden konnte am Montag ein Ölstreit mit der Ukraine. Russland hatte damit gedroht, Lieferungen an die Slowakei, Tschechien und Ungarn zu kappen, sollte die Ukraine auf die Erhöhung von Transitgebühren sowie der Änderungen von Garantiebedingungen für Mindestmengen bestehen. In den letzten Jahren hatte es bereits wiederholt russisch-ukrainische Streitereien um Gaslieferungen nach Europa gegeben.

Am Montagabend kam dann die Entwarnung. Man habe sich über den Öl-Transit geeinigt, hieß es von russischer Seite. Der Vertrag solle innerhalb der nächsten Tage unterzeichnet werden, sagte eine Sprecherin des Energieministeriums. Eine Unterbrechung der Öllieferung sei nicht zu erwarten. (Verena Diethelm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.12.2009)

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    Bei eisigen Temperaturen hat Wladimir Putin im fernen Osten Russlands einen neuen Ölhafen eröffnet, von dem aus russisches Öl nach Asien exportiert werden soll.

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