Das war das Wissenschaftsjahr 2009

28. Dezember 2009, 17:51
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Das ablaufende Jahr brachte uns den ältesten Urahn "Ardi", weitere Fortschritte in der Stammzellforschung und einen Laureaten als "Newsmaker of the year"

Washington/London/Wien - Wenn es nach der Anzahl der Meldungen geht, dann war 2009 weniger ein Darwin- als ein H1N1-Jahr. Während es in den tagesaktuellen Medien und im ORF 1750 Beiträge gab, in denen der Begriff "Evolution" vorkam, schaffte es H1N1 (für "Science" das Virus des Jahres) laut APA-Recherche in 5700 Meldungen. Auch im relativen Vergleich gab es zumindest in den österreichischen Medien keine Evolution in Sachen "Evolution" : Bereits 2006 fand sich der Begriff in 1700 Artikeln.

Für die britische Wissenschaftszeitschrift "Nature" war ein anderer, lebender Forscher der "Newsmaker of the year" . Nachdem Rajendra Pachauri, der Chef des Weltklimarats IPCC, im Vorjahr mit diesem Titel ausgezeichnet worden war, wurde abermals ein "Klimaschützer" erkoren, nämlich US-Energieminister Steven Chu, der 1997 den Physik-Nobelpreis gewonnen hatte.

In Sachen "Durchbruch des Jahres" war das Magazin "Science" vor Tagen vorgeprescht: Für die Redaktion des US-Magazins war die detaillierte Beschreibung unserer 4,4 Millionen Jahre alten Ur-Mutter "Ardi" die Entdeckung des Jahres - nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil die Artikel darüber samt und sonders in "Science" erschienen. "Nature" gab sich sehr gentlemanlike und wählte nur Entdeckungen aus, die nicht in "Nature" publiziert wurden - wie eben auch Ardi. Außerdem haben die Briten unter anderem neue Erkenntnisse über den Anstieg des Meeresspiegels gewürdigt - sowie die Fortschritte bei der Reprogrammierung pluripotenter Stammzellen (iPS) zur "Methode des Jahres" erklärt.

Und was wird 2010 bringen? Da hat zumindest das US-Wissenschaftsmagazin "Science" so seine Ahnungen: iPS könnten klinisch relevant werden. Und der Alpha Magnetic Spectrometer, der 2010 mit siebenjähriger Verspätung ins All geschossen wird, wird Licht in die dunkle Materie bringen. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 29. 12. 2009)

  • Eines der besten Wissenschaftsbilder des Jahres 2009 zeigt eine
Supernova kurz vor der Explosion. Das Besondere daran: Das Foto ist
eine Simulation, für die US-Physiker einen IBM Blue Gene/P verwendeten,
den siebentschnellsten Rechner der Welt. Durch die Visualisierung kamen
die Astronomen zu Einsichten, die rein mathematisch nicht möglich
gewesen wären.
    foto: hongfeng yu, argonne national laboratory

    Eines der besten Wissenschaftsbilder des Jahres 2009 zeigt eine Supernova kurz vor der Explosion. Das Besondere daran: Das Foto ist eine Simulation, für die US-Physiker einen IBM Blue Gene/P verwendeten, den siebentschnellsten Rechner der Welt. Durch die Visualisierung kamen die Astronomen zu Einsichten, die rein mathematisch nicht möglich gewesen wären.

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